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Südkirgistan droht im Chaos zu versinken

Rosa Otunbajewa

Moskau erstaunt mal wieder. Nachdem im April nach blutigen Straßenunruhen in Kirgistan der autoritäre Staatschef Kurmanbek Bakijew gestürzt wurde, feierte die kremlnahe Presse den Machtwechsel als russischen Erfolg, langfristig vorbereitet von den Geheimdiensten. Die neue provisorische Regierung unter Rosa Otunbajewa wurde als besonders russlandfreundlich gelobt. Jetzt aber wackelt diese Regierung, Südkirgistan droht im Chaos zu versinken. Otunbajewa hat den Kreml um die Entsendung von Friedenstruppen gebeten. Und die Propaganda vom vermeintlichen April-Coup der Russen droht sich als Bluff eines Trittbrettfahrers zu entlarven. Denn der Kreml beantwortete das Hilfegesuch bisher mit einem Njet. Nun droht Kirgistan und womöglich ganz Mittelasien die „afghanische Seuche“: endlose ethnische Zwistigkeiten, machtlose Regierungen, Drogen handelnde Warlords, islamistische Guerilleros und viel neues Hinterland für den antirussischen Untergrund im Kaukasus – auch der russische Blinddarm könnte sich daran entzünden. Im besten Fall gelingt es der kirgisischen Regierung selbst, den Brand auszutreten. Aber hinterher werden die Kirgisen sich kaum noch um die geopolitischen Interessen Russlands scheren, wäre das Nein das letzte Wort. Sollte es bei dieser Strategie bleiben, gäbe Russland Kirgistan auf. Vielleicht weil Moskau die finanziellen Mittel oder Truppen für eine Friedensmission fehlen. Oder der politische Wille. Die USA und China stünden als Schutzmacht bereit. Für die Großmacht Russland eine Blamage. Doch es stellt sich die Frage, ob Russland überhaupt noch Großmacht ist.

P2News/Südwest Presse

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