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Zwischen Mordlust und Entspannungspolitik

Die Hafen- und Handelsstadt Bombay ist die Metropole Indiens: Dynamisch und umtriebig, dazu unordentlich, erfinderisch im Bewältigen des Lebens, stark an Wohlgerüchen wie an Gestank. Bombay ist Fenster in die Vergangenheit des Subkontinents wie in die Zukunft. Der Terrorangriff – wo auch immer die Spuren hinweisen – wird das gewaltige Land nicht umstürzen. Aber er erzeugt Angst im Innern und Misstrauen nach außen. Hunderte von Opfern sind zu beklagen, Tote und Verwundete. Die Polizisten haben sich tapfer geschlagen, viele bis zum bitteren Ende. Was bisher bekannt wurde, lässt bestimmte Motive erkennen: Die bewaffneten Killer wollten, wie Zeugenaussagen belegen, vor allem Juden, Amerikaner und Briten treffen. Es kam ihnen indes nicht darauf an, wie viele sonstige Passanten, Hotelgäste oder Sicherheitspersonal und Polizisten Opfer wurden. Sie feuerten in die Menge, warfen Granaten und exekutierten. Mordlust und Sendungsbewusstsein sind Kennzeichen des radikalen Islamismus. Die Gleichzeitigkeit der Aktion, offenbar präzise geplant und exekutiert, lässt auf Verschwörer aus dem Netzwerk der al-Qaida schließen. Die Ziele des Massenmords? Eine solche Aktion kommt nicht allein aus Blutdurst. Bisher fehlt Klarheit. Aber es ist kein Geheimnis, dass die Islamisten Pakistan und Indien gegeneinander aufbringen und Pakistan – ohnehin brüchig – destabilisieren, Teile herausbrechen und die Atomwaffen in die Hand bekommen wollen. Fatal wäre es in der Tat, wenn sich der allgegenwärtige indische Veracht bestätigt, der hinter Terror in Indien regelmäßig die Hand des pakistanischen Militärgeheimdienstes vermutet. Die Beziehungen beider Staaten sind gespannt, auch zu den besten Zeiten. Es gibt indes Bestrebungen – durch die Präsenz von Atomwaffen beider Seiten wahrscheinlich befördert – symbolische und reale Entspannung zu praktizieren und einen Modus vivendi, speziell über das umstrittene Hochtal von Kaschmir, herbeizuführen. Gegen den Terror haben die Regierungen in Islamabad und Neu Delhi nachhaltig nur eine Waffe: konstruktiven Dialog und wechselseitige Information über ihre Erkenntnisse. Dazu müssen die Terroristen isoliert und bestraft werden. Der Schrecken dieser Tage wie auch die Präsenz der Massenvernichtungswaffen beider Seiten kann indes auch zum Guten dienen, indem er einen Verhaltenskodex, vertrauensbildende Maßnahmen und die Erkenntnis erzwingt, dass es mit den apokalyptischen Reitern keine Gemeinschaft geben darf.

Berliner Morgenpost, P2news

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