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Zerstörtes Vertrauen

Pfiffe gegen einen Bischof – das ist selbst auf Kirchentagen ungewöhnlich. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für den Missbrauchsskandal, musste beim Ökumenischen Kirchentag erfahren, welche emotionale Sprengkraft die Krise inzwischen entwickelt hat. Weil er sagte, der Ruf nach kirchenpolitischen Reformen lasse die Opfer aus dem Blick geraten, wurde Ackermann ausgebuht. Hinter der heftigen Reaktion des Publikums steht der Verdacht, katholische Amtsträger schöben Hilfe für die Opfer vor, um bloß keine Diskussion über Pflichtzölibat, Sexualmoral und Priesterweihe aufkommen zu lassen. Das ist ungerecht gegenüber Ackermann. Aber die Pfiffe sind ein klares Signal: Der Vertrauensvorschuss ist verbraucht – auch von Amtsbrüdern wie dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der lieber die Institution als Opfer sah und eine kirchenfeindliche Kampagne witterte. Und die Strukturdebatte ist längst im Gang. Der Kirchentag geht morgen zu Ende. Die quälende Debatte ist erst vorbei, wenn die katholische Kirche sich klar wird, wie sie Vertrauen zurückgewinnen kann. Die Freiheit dazu ist ihr zu wünschen. Noch scheint sie gefangen in Hilflosigkeit.

P2News/Rheinische Post

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