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Wie 9/11 die Welt veränderte

Jeder weiß, wo er war, als die Flugzeuge am 11. September 2001 ins World Trade Center rasten. Die Menschen auf der ganzen Welt waren Zeugen des Terroranschlags, der eine Dekade prägte, das Leben veränderte. Es sind nicht die Wasserflaschen, die wir beim Fliegen nicht mehr mitnehmen dürfen. Oder der Umgang mit unseren Daten. Freiheit und Sicherheit standen schon immer in einem Spannungsverhältnis, das durch Hysterie aus den Fugen gerät. Es ist der Verlust, der dieses Jahrzehnt prägt. Der Verlust an Vertrauen, an Kontrolle, an Gewissheit.

Osama bin Laden ist tot, aber Amerika ist nicht der Sieger. Was nicht an Atta und seiner extremistischen Nihilisten-Truppe lag, sondern an der orientierungslosen Bush-Regierung. Das Wir-Gefühl der zivilisierten Welt nach den Anschlägen hat der Präsident als Kriegsherr zerschlagen. Mit dem Gefangenenlager Guantánamo haben sich die USA selbst verraten. Die Erlaubnis zu foltern war fatal. Die Einschränkung von Rechtsstaat und Freiheit als Antwort auf den Angriff auf eben diese Werte bleibt grotesk, die Folgen sind verheerend. Die verzweifelten Staaten von Amerika sind dabei, sich selbst zu besiegen – moralisch wie finanziell.

Der Vertrauensverlust betrifft nicht nur die Weltmacht USA. Niemand spürte ihn deutlicher als die Muslime in aller Welt. Das Mitgefühl für fast 3000 Opfer der Anschläge war global. Die Schuldzuweisungen waren es nicht. Der 11. September hat die Muslime und ihren Glauben unter Generalverdacht gestellt. Ist das der „Kampf der Kulturen?“

Es gehört zu den versöhnlichen Erkenntnissen nach zehn Jahren, dass die Rechnung bin Ladens nicht aufgegangen ist. Die Terrorgefahr ist zwar weiterhin groß, aber die arabischen Massen konnte er für seine Ideen nicht begeistern. Die Menschen kämpfen nicht für mehr Islam in ihren Ländern, sondern für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Dafür starben auch gestern mutige Syrer, die sich gegen das Assad-Regime wehren. Mit Scharfschützen auf den Dächern und Folter lassen sich die unerschrockenen Muslime von ihrem Traum von einem besseren Leben nicht abbringen – ein Leben, das für die allermeisten von ihnen nichts mit bin Ladens Visionen zu tun hat.

Und noch ein Hoffnungsschimmer. Dass der Westen (ohne Deutschland) den libyschen Rebellen in ihrem Freiheitskampf half, war ein Akt der Menschlichkeit. Teuer und uneigennützig, denn der Erfolg war nicht garantiert, und Öl ließ sich auch bei Gaddafi kaufen. Doch diese einmalige Waffenbrüderschaft der Nato mit einem arabischen Land könnte sich als wertvoll erweisen. Als Meilenstein im Kampf um die Kultur des Zusammenlebens.

P2News/Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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