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Was sind ärztliche Leistungen wert?

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie viel ein Arztbesuch kostet? Ich meine jetzt nicht die 10 Euro Praxisgebühr im Quartal. Nein: Was bekommt Ihr Arzt von der Krankenkasse, wenn Sie sich bei ihm behandeln lassen? Niedergelassene Ärzte schlagen Alarm: Was sie über die Kassenbudgets einnehmen, reicht kaum für den Betrieb der Praxis, geschweige denn zum Leben. Ohne Privatpatienten wären viele Praxen längst geschlossen, sagt Hausarzt Ekkehard Ruebsam-Simon vom Ärzteverbund MEDI Deutschland. Zu viel arbeiten Ärzte heute unbezahlt.
Ruebsam-Simon Es gibt seit den vielfältigen Reformbemühungen eine chronische Unterfinanzierung des Gesundheitswesens, auch wenn die Politiker das bestreiten. Circa 30 Prozent der Leistungen im ambulanten Bereich, bei den niedergelassenen Ärzten, werden nicht bezahlt.
Das heißt im Klartext: in jedem Quartal arbeitet der Arzt einen Monat ohne Honorar. Abgerechnet wird außerdem nicht in Euro und Cent, sondern in Punkten. Was die konkret wert sind, das weiß der Arzt in dem Moment, in dem er einen Patienten behandelt, oft nicht. Erst am Ende eines Quartals wird ausgerechnet, in wie viele Stücke der Beitrags-Kuchen aufgeteilt werden muss, und wie groß diese Stücke dann werden.

Bezahlt wird nur eine bestimmte Summe Geld X, und die ändert sich nicht wesentlich. Und wenn jetzt die Ärzte mehr Leistungen erbringen – nehmen wir mal an, es ist eine große Grippe-Epidemie – dann wird der einzelne Punktwert relativ gesehen weniger wert. Und insofern kriegt der Arzt paradoxerweise dann, wenn er mehr arbeitet, weniger Geld pro Leistung.
Das Verrückte an dem ganzen System ist also: Der Arzt weiß erst in einem halben Jahr, was er für die Leistung von heute konkret bezahlt bekommt. Planungssicherheit sieht anders aus. Und mit Betriebswirtschaft hat das aus Sicht des MEDI-Arztes sowieso nichts zu tun. Umso weniger, wenn man sich die konkreten Zahlen anschaut, nachdem die Punkte am Ende umgerechnet sind.

Ekkehard Ruebsam-Simon Ein ganz normales ärztliches Zeugnis sind ungefähr 4 Euro. Oder eine hausärztliche Beratung, circa 7 Euro, ähnlich wie eine Kinokarte. Eine Enddarm-Spiegelung stellen sich Leute ungeheuer teuer vor – bekommt der Arzt 11,75 Euro, während der Ölwechsel am Auto schon bei 20 Euro liegt. Das sind übrigens offizielle Zahlen der kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Bei solchen Zahlen kriegt das Klischee vom ach so gut verdienenden Arzt deutliche Risse. Deshalb ist den MEDI-Ärzten wichtig, dass die Patienten über die Situation Bescheid wissen. Und so finden die Ärzte auch Mitstreiter auf Seiten der Patienten. Zum Beispiel Renate Hartwig – bekannt geworden als Scientology-Kritikerin, hat sie sich jetzt dem Gesundheitswesen zugewandt, mit ihrer Internetseite www.patient-informiert-sich.de. Und die Bezahlung der niedergelassenen Ärzte treibt der engagierten Frau die Zornesröte ins Gesicht.

Also wenn ich sehe, was ein Arzt kriegt für eine Behandlung, wenn ich zu ihm hinkomme, da muss ich lachen! Wenn eine Waschmaschine kaputt geht und der Handwerker kommt, dann verdient der das Zehn- und Zwangzigfache. Wenn ich zum Arzt gehe als Patient, und der “repariert” mich, dass ich wieder gesund werde, dann kriegt der einfach Brosamen. Ich finde das eine Unverschämtheit, mit dem was wir an Beiträgen zahlen, dass der Arzt nicht ordentlich bezahlt wird. Das finde ich unmöglich.
“Was sind ärztliche Leistungen wert?”, fragt der Ärzteverbund MEDI Deutschland und rechnet vor: gerade mal 15 Prozent aller Versichertenbeiträge werden für die ambulante Versorgung in den Arztpraxen ausgegeben.

Quelle: MEDI Deutschland

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