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Was Google sagt und was Google tut

Sie fahren durch Städte und Orte und füllen ihre Bildspeicher systematisch mit Aufnahmen von Straßen, Häusern und Gärten – die Kamerawagen des Internet-Multis Google. Wer noch keins der Street-View-Fahrzeuge gesichtet hat, sollte sich keiner Illusion hingeben: Google kommt noch – oder war schon da. Die Zahl misstrauischer Bürger, die sich überwacht fühlen, wächst von Tag zu Tag.

Noch vor zwei Wochen hatte Google der deutschen Verbraucherschutz-Ministerin Aigner versichert, alles sei harmlos, und es würden keine persönlichen Daten festgehalten. Nun gibt Google zu, dass seine Hoch-Technik sogar in private Datennetze eingedrungen ist und Informationen über Internet-Aktivitäten und E-Mails gespeichert hat. Dass dies ein Versehen und ein Programmierfehler war, ist kaum zu glauben. Zu lukrativ ist das Geschäft mit persönlichen Daten und Profilen.

Nun mag der eine oder andere Mitbürger sich beruhigt zurücklehnen, weil er grundsätzlich ein gutes Gewissen und darum auch nichts zu verbergen hat. Und seinen Netz-Zugang hält er auch für sicher, weil der nach allen Regeln der Computer-Kunst verschlüsselt ist. Dennoch bleibt ein ungutes Bauchgefühl: Was alles können andere Neugierige, die nicht Google heißen und sichtbar mit Kamerawagen durch die Lande fahren, unbemerkt mit elektronischen Mitteln ausspähen und ausbaldowern? Und wie sieht das Bild ahnungsloser Mitmenschen aus, das aus vielen ganz privaten Einzelinformationen zusammengesetzt und dann weiterverbreitet wird, ohne dass die Betroffenen davon erfahren?

Das Aigner-Ministerium nennt den Fall, der den Namen Google trägt, in dessen Schatten aber mutmaßlich viele andere, schwärzere Schafe grasen, alarmierend. Der Fall hat zumindest eins gezeigt – was man alles können kann, wenn man nur wollen will. Daraus sind schleunigst Konsequenzen zu ziehen. Aigners Ministerium, und wer sonst noch für die Beurteilung der Späh-Aktivitäten zuständig ist, muss mit Experten ausgestattet werden, die technisch den Googles und Co. ebenbürtig sind – mindestens das. Fest steht: Google hat wider besseres Wissen die Unwahrheit gesagt. Google hat Grenzen überschritten. Google und andere Big Brothers müssen an der kurzen Leine gehalten werden.

P2News/Westdeutsche Zeitung

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