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Was bringt 2008? Hoffentlich mehr Kultur!

Reden wir mal nicht von der Kulturhauptstadt. Sie kommt, keine Sorge. Reden wir davon, was Kultur soll und was sie leisten kann.

Es gab einmal eine Zeit, da gingen Grafen ins Ballett und Könige in die Oper. Später spielten höhere Töchter Klavier und Bürgerkinder Blockflöte und ein Dichter schrieb: In meinem Elternhause hingen
keine Gainsboroughs. Was ein Gainsborough ist, wissen viele bis heute nicht. In ihrem Elternhaus hängen auch keine.

Es hat sich was gedreht, Kultur ist heute für alle. Aber was für Kultur? Gemeingut ist vor allem das Schlichte; Fernsehen, eine bestimmte Sorte Musik und Kino, Wegwerf-Romane. Denkersatz. Nein, es
gibt auch gute Unterhaltung, aber vieles ist Schrott. Schadet das was? Und wie es schadet.

Dabei soll Kultur doch nützen und kann es auch. Kultur verbindet, sogar da, wo sie nur Gesprächsstoff liefert, meinetwegen über den Tatort vom Sonntag. Kultur kann aber mehr: Ideen und Träume wecken.
Räume öffnen. Wer je aus einem Konzert kam und auf allen Gesichtern die gleiche glückliche Gespanntheit sah, der weiß, dass durch Musik alle Menschen Brüder werden. Na, sagen wir: Geschwister.

Mehr Kultur! Das stimmt immer; es kann nicht zuviel Kultur geben, wie es nie zuviel Luft zum Atmen gibt. Das heißt nicht, dass wir mehr Theater brauchten (obwohl auch das ein schöner Gedanke ist), sondern: Die Menschen müssen instand gesetzt werden, Kultur wahrzunehmen und zu genießen. Sie müssen den Umgang mit Kultur lernen; wie rechnen, Schleifen binden und Telefonnummern speichern. Dazu müssen sie aber erstmal wissen, dass sie Kultur brauchen. Das ist nicht selbstverständlich, in unserer Gesellschaft nimmt man eher an, dass man Geld braucht. Mehr, mehr Geld! Viel mehr!

Kultur hat nicht zwangsläufig mit Bildung zu tun. Sie schadet nicht; man kann sich aber auch dann an einem Buch berauschen, wenn man nicht in schlüssige Worte fassen kann, was einen da begeistert.
Der Kunst, der Kultur ist suchendes Stammeln manchmal angemessener als beredte Klugheit.

Zum Schluss doch noch ein Wort zur Kulturhauptstadt. Das Ruhrgebiet hat sich viel vorgenommen, es will sich anders, besser präsentieren als andere Städte zuvor. Tatsächlich kann Ruhr 2010 exemplarischen Charakter haben: Wenn es gelingt, Menschen, bei denen keine Gainsboroughs hängen, mitzunehmen auf dem Weg zu einem erfüllten Leben durch Kultur.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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