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Versicherungen: Chancen der Krise werden nicht ausreichend erkannt

Die großen deutschen Versicherer rechnen übereinstimmend damit, dass sich die Finanzkrise und die Rezession auf die eigene Branche auswirken werden. Aber nur wenige Unternehmen definieren Maßnahmen, um Wettbewerbsvorteile aus der Krise zu erzielen. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage der Managementberatung Horváth & Partners im Dezember 2008. Die Versicherungen sollten sich nicht auf Maßnahmen zur kurzfristigen Bewältigung der Krise beschränken, sondern bereits jetzt ihr Geschäftsmodell nachhaltig schärfen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen, so die Empfehlung der Berater.

Bei den Einschätzungen zu den Auswirkungen der Rezession zeigt sich folgendes Bild: Die meisten der befragten Versicherer erwarten einen Rückgang des Neugeschäfts in den Sparten „Komposit“ und „Finanzierungen“ sowie, wegen der sinkenden Zulassungszahlen, bei den Kfz-Versicherungen. Die Auswirkungen auf das Bestandsgeschäft glaubt die Hälfte der befragten Versicherer noch nicht abschätzen zu können, die andere Hälfte erwartet kein erhöhtes Bestandsstorno. Im Bereich der Personenversicherungen gehen die Meinungen dagegen auseinander. Einige der Befragten erwarten einen Rückgang in den Sparten Lebens- sowie Krankenversicherung. Mehr als die Hälfte rechnet dagegen mit einer Renaissance der klassischen Lebens- und Rentenversicherung sowie einer Zunahme bei fondsgebundenen Produkten mit Garantiezusagen. Im Gegensatz dazu werden renditeabhängige Produkte voraussichtlich deutlich an Bedeutung verlieren.

Auf diese Entwicklung reagieren die meisten Studienteilnehmer mit geplanten Maßnahmen zur Senkung der Personal- und Sachkosten. Ein Viertel der befragten Unternehmen wird auch die Anlagestrategie anpassen und die Aktienanteile reduzieren. „Über mögliche Senkungen der Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung schweigen sich dagegen die meisten Unternehmen bisher aus“, so Claus-Jürgen Leitzmann, Versicherungsexperte bei Horváth & Partners.

Knapp die Hälfte der befragten Versicherer haben bereits einzelne Maßnahmen definiert und eingeleitet, mit deren Hilfe sie Wettbewerbsvorteile erzielen wollen, um damit am Ende als Gewinner aus der konjunkturellen Talsohle hervorzugehen. Zu diesen Maßnahmen zählen zum Beispiel Verbesserungen im Kundenservice oder die Stärkung der Vertriebswege. Denn die Vorsicht bei den Kunden ist nach Meinung der Befragten gewachsen und das Vertrauen sinkt. „Die Herausforderung liegt klar im Bereich der Kundenansprache und -bindung, aber die sinnvolle Fokussierung auf profitable Kunden in Vertrieb, Annahmepolitik oder Betrieb wird derzeit von keinem der befragten Versicherer geplant. In vielen Produktportfolios fehlen auch geeignete modulare und mit den Kundenbedürfnissen ‚mitwachsende‘ Produkte“, so der Versicherungsexperte weiter.

Knapp die Hälfte der Befragten hat noch überhaupt keine Maßnahmen mit Blick auf die mittelfristigen Chancen entwickelt. Dies sei ein Fehler, so Leitzmann. Denn: „Gerade in Krisenzeiten können Versicherungsunternehmen nachhaltige Wettbewerbsvorteile erzielen. Mit einem stringenten Geschäftsmodell und sauber verzahnten Maßnahmenpaketen auf operativer Ebene können sich die Versicherungen Marktanteile erarbeiten. Das unterscheidet die künftigen Gewinner von den Verlierern der Finanzkrise.“

P2News

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