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Verdächtiges Lob

Köhler rüffelt Rendite-Gier der Banken Von Lorenz Redicker Horst Köhler hat eine bemerkenswerte Rede gehalten. Eine, die vor wenigen Monaten von den Angesprochenen noch als hoffnungslos altmodisch abgetan worden wäre, die aber jetzt, in einer anderen Zeit, von denselben Personen als zukunftsweisend gelobt wird. Die Großbanken – die Kleinen waren meist redlich – sollen wieder Treuhänder der Sparer sein, dem Mittelstand Kredite geben. Das also, was sie früher gemacht haben, was nur kleinen Gewinn brachte, weshalb sie lieber hochprofitable, hochriskante Derivate und Derivate von Derivaten erfanden, die kein Mensch verstand und die mit den Menschen und dem Leben auch gar nichts zu tun hatten. Die getadelten Bankiers haben den Präsidenten gelobt und reuig Fehler eingeräumt. Doch das Lob ist verdächtig; zu schnell folgt die Warnung vor der Überregulierung. Das klingt nach einem Abhängigen auf Entzug, der von der Droge Rendite nicht lassen kann. Und das Geständnis eigener Fehler soll vielleicht nur vor dem Ruf nach persönlichen Konsequenzen ablenken. Im Übrigen ist noch gar nichts reguliert, gibt es nur vage, teils widerstreitende Pläne. Köhler hat sich klar positioniert: Nichts sollte bleiben, wie es war. Dass er früh vor dem „Monster Finanzmarkt“ gewarnt hat, macht den Präsidenten glaubwürdiger als Politiker, die sich auch jetzt noch von den früheren Rendite-Junkies beraten lassen.

Westfalenpost, P2news

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