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Täuschend echt: Der Placebo-Effekt

Scheinmedikamente sind äußerlich von „echten“ Arzneimitteln nicht zu unterscheiden. Genau darin liegt ihr Erfolgsrezept

Medizin ohne Wirkstoff, die kann doch nicht helfen? Wenn sie es dann doch tut, spricht man vom sogenannten Placebo-Effekt. Fest steht: Scheinmedikamente können eine positive Wirkung entfalten. Dies weisen zahlreiche Studien nach. Warum Medikamente, die keinerlei nachweisbaren Wirkstoff enthalten, eine lindernde oder heilende Wirkung haben können, dieser Frage ist die Wissenschaft noch auf der Spur. Die klassischen fünf Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten – liefern jedenfalls keine Antworten. Besitzt der Mensch also doch einen sechsten Sinn? Inzwischen beschäftigt sich auch die „Schulmedizin“ intensiv mit dem Placebo-Phänomen.

Schon der amerikanische Mediziner Henry Beecher hatte im Zweiten Weltkrieg interessante Erfahrungen mit dem Placebo-Effekt gemacht. Als dem Arzt im Feldlazarett das Morphium ausging, spritzte er Verwundeten eine wirkstofflose Kochsalzlösung. Dennoch gingen die Schmerzen bei einigen der Patienten zurück. Die Überzeugung und der Glaube, dass ein Arzneimittel tatsächlich hilft, spielt also eine entscheidende Rolle für die Wirkung des Präparats – und das nicht nur in der Schmerztherapie. Auch bei Depressionen, Allergien und Reizdarm, selbst bei Parkinson konnten positive Effekte durch Scheinmedikamente nachgewiesen werden.

„Beim Placebo-Effekt hat die Psyche ein gehöriges Wort mitzureden“, erklärt Tim Steimle, Apotheker bei der Techniker Krankenkasse (TK). Entscheidend für den Erfolg eines Scheinmedikaments ist die Erwartungshaltung des Patienten. Deshalb wurde lange Zeit auch die Meinung vertreten, dass Placebos ausschließlich bei eingebildeten Krankheiten wirken. Mittlerweile weiß man aber, dass Arzneimittel ohne pharmakologischen Wirkstoff auch organische Ursachen für Schmerzen beeinflussen können – allerdings nur so lange, wie die Patienten an die Wirkung des Präparats glauben.

Der positive Effekt hängt unter anderem auch davon ab, welche Art von Placebo verabreicht wird. Große Tabletten wirken beispielsweise stärker als kleine. Eine Spritze hat einen größeren Effekt als eine Pille. Und nach Scheinoperationen konnte der stärkste Placebo-Effekt festgestellt werden. Amerikanische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sogar der Preis eines Medikaments die medizinische Wirkung beeinflusst. Der Placebo-Effekt verstärkt sich außerdem, wenn der Arzt die vermeintliche Wirkung des Scheinpräparats überzeugend „verkauft“. Mediziner können also durch Zuwendung und Aufmerksamkeit die positiven Erwartungen ihrer Patienten fördern, und somit deren Heilungsprozess positiv beeinflussen. Das trifft auch bei Medikamenten zu, die einen nachweisbaren Wirkstoff enthalten.

News-Reporter

P2News

(Foto: Techniker Krankenkasse/News-Reporter)
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