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Skandal – Die Macht öffentlicher Empörung

Die Journalisten suchen ihn, das Publikum liebt ihn, die Mächtigen fürchten ihn: den Skandal. Welche Ereignisse lösen öffentliche Empörung aus? Welche nicht? Wem nutzt, wem schadet der Eklat? Und wozu führt er? Lassen sich Skandale bewusst produzieren und kontrollieren? Wie wehrt man sich dagegen, an den Pranger gestellt zu werden?

Diesen Fragen sind Studierende des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg nachgegangen. Angeleitet wurden sie von Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen (ehemals Universität Hamburg), und Jens Bergmann, Geschäftsführender Redakteur des Wirtschaftsmagazins brand eins. Die Studierenden haben Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Sphären im In- und Ausland interviewt. Viele sprechen aus eigener, schmerzlicher Erfahrung über das Thema.

So berichtet Entführungsopfer Natascha Kampusch, wie sie ihre Privatsphäre gegen Übergriffe der Boulevardpresse verteidigt. Der Undercover-Reporter Günter Wallraff beschreibt die Kunst, Missständen Namen und Gesicht zu geben. Der Radrennfahrer Patrik Sinkewitz gibt Auskunft über die Folgen seiner Doping-Beichte und systematische Manipulationen im Leistungssport. Die Politikerin Gabriele Pauli enthüllt die gnadenlosen Machtkämpfe in ihrer ehemaligen Partei, der CSU. Der Soziologe Ulrich Beck spricht über das kulturelle Nervenkostüm der Gesellschaft und die befreiende Wirkung des Skandals. Der Lyriker Sascha Anderson redet über seine Stasi-Vergangenheit, die ihn nicht mehr loslässt.

Der ehemalige Spiegel-Chef Erich Böhme rekonstruiert den Fall Barschel; der inzwischen mittellose ehemalige Stern-Reporter Gerd Heidemann erklärt, wie es zum Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher kommen konnte; der Boulevard-Journalist Udo Röbel beschreibt seine Rolle im Gladbecker Geiseldrama.

Weil Menschen, die in Skandale verwickelt waren, oft Narben davontragen, war viel Überzeugungsarbeit nötig, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mancher Versuch scheiterte; einige Interviews wurden mehrfach und in Gegenwart von Anwälten geführt. Die Studierenden ließen sich von solchen Widerständen nicht entmutigen, zeigten sie doch, dass man auf der richtigen Spur war.

Das Ergebnis ihrer Recherchen sind 29 sehr persönliche Einschätzungen, eine Phänomenologie des Skandals: subjektiv, emotional, widersprüchlich – und gerade deshalb erhellend. Die Gespräche sind nachzulesen in dem Band Skandal! Das Buch vermittelt in leicht lesbarer Form erstaunliche Einsichten in die Logik und die Macht öffentlicher Empörung.

P2news

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