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Setzen, sechs!

“Erst denken, dann handeln” – das ist so ein Satz, den Eltern ihren Kindern gern mit auf den Weg geben. Beim Blick auf die Umsetzung der verkürzten Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre ist diese sinnvolle Handlungsmaxime in einigen Bildungsministerien schlichtweg ignoriert worden. Bei der Einführung von G8 wurde vielerorts der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Das liegt vor allem in der Hysterie begründet, die nach dem Pisa-Schock 2001 in der deutschen Bildungspolitik um sich gegriffen hat. Unumstritten ist bei einem Großteil der Experten, dass die akademische Ausbildung bei uns im Vergleich zu anderen Ländern zu lange dauert und verkürzt werden muss. Das ganze funktioniert aber nicht, wenn auf dem Weg zum Abitur einfach ein Jahr abgehängt wird, ohne Lerninhalte und Lernmethoden ausreichend anzupassen. In nahezu allen westdeutschen Bundesländern, die auf diese Weise G8 umgesetzt haben, ließ der Protest von gestressten Schülern und verzweifelten Eltern nicht lange auf sich warten. Natürlich wissen auch Väter und Mütter: Schule bedeutet Anstrengung, soll eine Herausforderung sein. Das darf aber nicht in Überforderung ausarten und dazu führen, dass Kinder unter dem enormen Zeitdruck zusammenbrechen, beziehungsweise nur noch mithalten können, wenn Eltern Nachhilfeunterricht finanzieren oder genügend Zeit und eigene Bildung haben, um mit dem Nachwuchs zu büffeln. Angesichts schon jetzt fehlender Akademiker ist eine solch brutale Auslese schlicht kontraproduktiv. Von Chancengleichheit gar nicht zu reden. Jetzt heißt es für manchen Bildungsminister: Setzen, sechs! Nachsitzen und die Aufgabe noch einmal ordentlich lösen.

Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz

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