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Schweigen im Gottesstaat – Kommentar

Man muss nicht zu den politisch Überkorrekten gehören, um in Bischof Richard Williamson einen gefährlichen Volksverhetzer zu erkennen. Die Leugnung des millionenfachen Mordes an den Juden in deutschen Vernichtungslagern ist nur die abstoßende Spitze eines Eisbergs an wirren Thesen. Williamson und seine Pius-Brüder stehen für ein Weltbild, in dem Religions- und Gewissensfreiheit, Gleichberechtigung und Liberalismus keinen Platz haben.

Warum tat sich der Vatikan dennoch so schwer, einen offenkundigen Fehler zu korrigieren? Die Antwort liegt wohl in der Struktur des letzten Gottesstaates auf europäischem Boden. Viel zu spät erkannten die Ratgeber des Heiligen Vaters die Brisanz der Causa Williamson. Und Benedikt XVI.? Er zeigte auch gestern noch keine Spur von Demut. Kein Wort über den Skandal-Bischof bei der Generalaudienz. Der interne Vatikan-Report strickt derweil an der Legende einer „bewusst gestellten Falle“, in die der Papst gestolpert sei.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst öffentlich zur Kurskorrektur aufforderte, war unvermeidlich. Ein Rechtsstaat muss religiöse Fanatiker in die Schranken weisen. Was für Deutschland gilt, kann man dem Vatikan derzeit nur wünschen.

Ostsee-Zeitung

P2News

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