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Politikverdrossenheit junger Menschen

Nein, Politik ist einfach nur ein schwarzes leeres Kästchen.“ Das gibt ein Berufsschüler in der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung „Sprichst du Politik?“ zu Protokoll, als er nach etwaigen positiven Aspekten im Politikbetrieb gefragt wird. Ein anderer Befragter vergleicht den Versuch, sich mit politischen Fragen auseinanderzusetzen, mit einem Hürdenlauf und beschreibt diesen als permanentes Scheitern. Junge Menschen entfernen sich zunehmend von der Politik: Sie gehen immer seltener zur Wahl und vor allem bei den 15- bis 25-Jährigen genießen Politiker und politische Institutionen nur geringes Vertrauen. Parteien, vor allem die großen, haben Nachwuchsprobleme. Keine besonders rosigen Aussichten für die parlamentarische Demokratie. Kein Grund aber, um übliche Argumente zu bemühen, wonach junge Menschen zu faul und zu spaßorientiert wären, um sich politischen Sachverhalten zu widmen oder sich zu engagieren. Nicht erst die FES-Studie zeigt nämlich: Die Jugend hätte Lust, sich einzumischen. Allerdings findet sie aufgrund der tief greifenden Skepsis Politikern und Parteien gegenüber keinen Anknüpfungspunkt. Das zu ändern sollten Eltern, Schulen und die Politik als gemeinsame Herausforderung betrachten. Sie müssen jungen Menschen die Voraussetzungen bieten, damit sich diese auf den Weg zu verantwortungsbewussten Staatsbürgern machen können. Die Grundlagen für das Verständnis politischer Zusammenhänge müssen früh gelegt werden – und dabei übernehmen die Schulen eine sehr wichtige Rolle. Politikwissenschaftler Prof. Heinrich Oberreuter kritisiert zurecht, dass Sozialkunde als Schulfach einen zu geringen Stellenwert einnimmt, nur ein- oder eineinhalbstündig und über einen zu kurzen Zeitraum unterrichtet wird. Dabei wäre die frühe und intensive Vermittlung politischer Sachverhalte nötiger denn je. Nicht nur deswegen, weil die Probleme, die die Jugend und die gesamte Gesellschaft plagen, immer komplexer werden. Wer kann denn schon bis ins Letzte erklären, wie der Euro-Rettungsschirm genau funktioniert? Nicht nur junge Menschen haben zunehmend das Gefühl, dass Politiker selbst nicht mehr in der Lage sind, die relevanten Sachverhalte verständlich rüberzubringen. Die Botschaft der Jugend an die Politiker lautet in der FES-Studie deshalb in etwa so: „Redet so, dass wir euch verstehen. Legt das Manuskript beiseite und sprecht in eurer Alltagssprache, direkt, offen und unkompliziert. Versteckt euch nicht hinter dem anonymen ,Wir‘ eines Parteiapparats und hinter sorgfältig vorformulierten Zeilen.“ Nur wer Politik versteht, beteiligt sich. Bei der Beteiligung sind neue Formen notwendig. Die digitale Lösung der Piratenpartei „Liquid Democracy“ oder „Flüssige Demokratie“, bei der User auf einer Internetplattform Ideen einbringen, diskutieren und abstimmen, was davon in den politischen Prozess integriert wird, kann die Basis der Mitwirkung verbreitern und ist geradezu dafür geschaffen, um junge Menschen in einzubeziehen. Dass die Piratenpartei ankommt, zeigt ihr Wahlerfolg in Berlin, den sie vor allem jungen, Internet-affinen Wählern zu verdanken hat. Ob die unangepasste Truppe im politischen Alltag bestehen kann, ist noch nicht abzusehen. Doch offenbar ist sie momentan die einzige Partei, die es schafft, in dem schwarzen leeren Kasten zumindest das Licht anzuknipsen.

P2News/Mittelbayerische Zeitung

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