Werbeanzeige
Home / Wissen / Kultur / Parabel auf die gegenwärtige Krise
Werbeanzeige

Parabel auf die gegenwärtige Krise

Giraudoux‘ Schauspiel „Die Irre von Chaillot“ wird in Heilbronn wieder aus der Versenkung geholt

Bis in die 1960er Jahre hinein war „Die Irre von Chaillot“ von Jean Giraudoux ein in Deutschland und Frankreich häufig gespieltes Stück. Heute gilt Giraudoux als ein „respektvoll vergessener Schriftsteller“. Warum nur? So fragt man sich am Theater Heilbronn, wo das Schauspiel „Die Irre von Chaillot“ am 7. März um 19.30 Uhr in der Inszenierung von Alejandro Quintana Premiere hat. Dieses Stück wirkt wie eine Parabel auf die gegenwärtige gesellschaftliche Krise.

Es geht um die Mächtigen dieser Welt, die Männer in den Vorstandsetagen, die die Geschicke des Landes lenken und deren Portemonnaies immer dicker werden, wenn sie mit einem Handstreich mal wieder tausend Menschen entlassen. Und es geht auf der anderen Seite um das immer größere werdende Heer der Armen. Um Menschen, die nicht aufgeben in ihrem Ringen um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und die Unantastbarkeit ihrer Würde. Bei Giraudoux wissen sie sich auf phantastische Art und Weise gegen die skrupellosen Machenschaften der da oben zu helfen. Deshalb darf man die „Irre von Chaillot“ getrost als politisches Märchen für Erwachsene bezeichnen. Es wird folgende Geschichte erzählt:

Die Stadt Paris ist in Gefahr! Vier skrupellose Herren, die sich mit krummen Geschäften an die Schlüsselpositionen der Macht gearbeitet haben, wollen das Stadtviertel Chaillot in die Luft sprengen lassen, weil sich darunter Erdöl befinden soll. In einem Café planen sie ihren Coup. Schon haben sie einen Bombenleger engagiert, Pierre, einen erpressbaren jungen Mann. Der schreckt jedoch im letzten Moment vor der Tat zurück und will Selbstmord begehen, wird aber gerettet und in jenes Lokal gebracht, in dem sich die vier Herren mittlerweile bedrängt fühlen von all den armen, etwas verrückten Leuten, die dort ein und aus gehen.

Königin des Viertels ist eine schillernde ältere Dame, Aurelie, die Irre von Chaillot. Sie wird wegen ihrer Lebenslust und Güte von den Menschen verehrt. Sie beschließt, das Verbrechen zu verhindern. Unmöglich sagt Pierre, denn seine Auftraggeber hätten die Macht, das Geld und sie seien gierig. Gierig! sagt Aurelie: Dann sind sie verloren!

“ … Phantasie ist ein Schlüsselwort in Giraudoux‘ Werk und Theaterwelt. Sie ist das Prinzip seines Glaubens an die Kunst und an den Menschen, das Geheimnis seines Stils, sein Zugang zur Natur und auch die undurchdringliche Schutzschicht, mit der er seine rätselhafte und sensible Persönlichkeit umgab. Der Mensch wird in Giraudoux‘ Werk zu einer Seltenheit in der modernen Literatur: zum Verkünder und Darsteller positiver Lebensanschauungen. Seine Heiterkeit ist im Grunde nichts anderes als die Überwindung des Pessimismus durch die Kunst. Er stellt die Wirklichkeit so dar, dass die idealen Möglichkeiten des Menschen zu Liebe, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Zufriedenheit und Glück sichtbar werden — und dabei gerade auch die Schwierigkeiten, sie zu verwirklichen“, schrieb Gertrud Mander über Jean Giraudoux.

Die Liebe zum Phantastischen teilt der Regisseur und Heilbronner Schauspieldirektor Alejandro Quintana mit dem Autor. Mit seinen Bühnen- und Kostümbildnern Juan Leon und Mathias Werner hat er zwei Künstler an seiner Seite, die dem Abend eine poetisch-phantastische Atmosphäre verleihen. Quintana hat eine zusätzliche Figur einführt, die Urmutter aller Irren, eine Allegorie auf die vergessenen Gedanken, die von Ingrid Richter- Wendel dargestellt wird. Sie stellt dem Publikum die Frage: Was ist aus den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geworden?

Die Irre von Chaillot

Von Jean Giraudoux

*Premiere am 7. März um 19.30 Uhr im Großen Haus*

Inszenierung: Alejandro Quintana
Bühnenbild: Juan Leon
Kostüme: Mathias Werner
Musik: Roberto Noriega Rivera
Dramaturgie: Dr. Birte Werner

Es spielen:

Nancy Fischer (Irma, Geschirrwäscherin); Anne-Else Paetzold (Aurelie, die Irre von Chaillot); Katharina Voß (Gabrielle, die Irre von Saint-Sulpice); Ingrid Richter-Wendel (Constance, die Irre von Passy ) Johannes Bahr (Kellner); Nils Brück (Lumpensammler); Alexander Darkow (Pierre); Oliver Firit (Straßensänger); Alexander Hetterle (Makler); Gabriel Kemmether (Retter); Frank Lienert-Mondanelli (Präsident) Rolf-Rudolf Lütgens (Baron); Manuel Rivera (Prospektor/Adolphe Bertaut); Tobias D. Weber (Polizist/Kloakenreiniger); Kai Windhövel (Jongleur); Sebastian Winkler (Straßenverkäufer).

P2News

Werbeanzeige

Check Also

Deutschland feiert Halloween

Am Abend vor Allerheiligen ziehen gewöhnlich so manch gruslige Gestalten durch die Straßen. Meist sind …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.