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Papst Benedikt XVI. auf Staatsbesuch in Deutschland

Der Mensch kann alles. Darf er auch alles? Woraus gewinnt er seine Maßstäbe und Begrenzungen, die ihn letztlich zum Menschen machen? Wer dem Papst zugehört hat an diesem Tag in Deutschland, wer aber auch jenen zugehört hat, die ihm im Namen der Deutschen antworten konnten, hat eine Diskussion erlebt, die für die ganze Gesellschaft bedeutsam ist. Weit über die Katholiken hinaus. Der Papst sorgt sich um den Verlust von Werten, Heimat und Geschichte, letztlich von Menschlichkeit. Und damit hat er völlig recht. So wie die Entwicklung derzeit verläuft, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, an den Finanzmärkten, in der Umwelt, wird alles gnadenlos verbraucht und zerstört, um schnell und gedankenlos zu leben. Ohne Werte drohen wir unsere menschliche Kultur an die Beliebigkeit zu verlieren – und Europa nebenbei ohne die christlichen Werte auch seine Identität. Das war die Botschaft Benedikt XVI. Es war beschämend für jene, die seine Rede im Bundestag boykottierten, dass er ausgerechnet die Menschenrechte, das Grundgesetz und die Ökologiebewegung als beste Beispiele einer letztlich auf christlichen Werten basierenden Politik nannte. Der reine Materialismus ist des Menschen Feind. Die alles beanspruchende Religion aber auch. Der Islam versucht sich derzeit in vielen Ländern durch Verengung auf sich selbst gegen die kulturelle Globalisierung zu stemmen, oft mit Gewalt gegen die eigenen Menschen und gegen Andersgläubige. Der katholischen Kirche war und ist eine Tendenz zur Ausgrenzung ebenfalls nicht fremd. Bundespräsident Christian Wulff hat es unverblümt gesagt: Wie barmherzig geht die Kirche mit Brüchen im Leben von Menschen um? Wie mit ihrer eigenen Spaltung? Und die Demonstranten draußen, sofern sie nicht nur von Hass erfüllt waren, fragten: Muss eine Religion nicht jede Liebe akzeptieren, die Liebe ist und nicht nur Sex oder Geschäft? Auch die homosexuelle Liebe, auch die Liebe ihrer eigenen Priester? Auf keine dieser Fragen ging der Papst ein. Er sprach zwar von der Natur des Menschen und verlangte, dass der Mensch sie wieder erkennt. Aber hält sich die Kirche selbst daran? Wie offen ist sie für das Leben? Es liegt eine Tragik darin, dass ausgerechnet dieser in der Analyse so weitsichtige Papst in der Praxis so wenig milde ist mit den Menschen, wie sie sind. Und dass er ihnen deshalb so wenig helfen kann. Nicht den Aids-Opfern in Afrika, denen er das Kondom verbietet, nicht den schrumpfenden Gemeinden in Deutschland, denen er keine verheirateten Priester zugestehen mag, nicht den anderen christlichen Kirchen, weil er am Alleinvertretungsanspruch seiner Kirche festhält, und übrigens auch nicht dem Bundespräsidenten, der nicht mehr zur Kommunion gehen darf, weil er ein zweites Mal geheiratet hat. Und so kann Benedikt XVI. am Ende vielleicht auch nicht seiner Kirche helfen, die er über die Stürme der Zeit zu retten versucht – und retten muss.

P2News/Lausitzer Rundschau

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