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Ölpest in den USA – Obamas Dilemma

Barack Obama

Stopft endlich dieses verdammte Loch“ – der Ausbruch des US-Präsidenten in kleiner Runde ist verständlich. Längst nicht nur Barack Obama verfolgt mit wachsendem Zorn die Bemühungen BPs, die Ölpest im Golf von Mexiko in den Griff zu bekommen. Millionen von Amerikanern empfinden ähnlich. Seit die ersten Bilder ölverschmierter Pelikane und verschmutzter Strände über die Fernsehschirme flimmerten, nimmt Amerika erschrocken wahr, welches Drama sich im Süden des großen Landes abspielt. Seit den Terroranschlägen des 11. September hat sich Amerika nicht mehr so verwundbar gefühlt. Längst richtet sich der Zorn auch gegen das Weiße Haus. Anfangs hatten die meisten US-Bürger Obama noch durchaus gute Noten als Krisenmanager gegeben. Frisch war noch in Erinnerung, wie kläglich Obamas Vorgänger Bush beim Wirbelsturm „Katrina“ vor fünf Jahren versagt hatte. Obama hingegen machte Eindruck mit seiner klaren und frühen Ansage, BP für die entstehenden Schäden bis zum letzten Cent zahlen zu lassen. Doch inzwischen erwartet Amerika mehr von seinem Präsidenten, als BP lediglich an den Pranger zu stellen. Selbst die eigenen Reihen halten Obama vor, blauäugig ausgerechnet einem Ölkonzern vertraut zu haben. Seit immer weitere Details darüber bekannt werden, wie selbstherrlich und schlampig der britische Ölmulti draußen in der Tiefsee agierte, wächst die Verbitterung über diese Industrie. Dass sich überdies die staatliche Aufsichtsbehörde einwickeln ließ und die Kontrolle der Sicherheitsbestimmungen BP bequemerweise gleich mit übertrug, bestätigt alle Befürchtungen, die Kritiker der mächtigen Ölindustrie immer schon hegten. An dieser Entwicklung trägt Obama wenig Schuld. Eingerissen sind diese Praktiken schon weit früher. Doch immer mehr US-Bürger lasten Obama an, sich von BP an der Nase herumführen zu lassen. Sich auf Gedeih und Verderb an den Brandstifter zu ketten, der das selbst gelegte Feuer löschen soll, widerspricht tatsächlich jeder Logik. Inzwischen dämmert auch Obama, dass die Ölpest im Golf sein „Katrina“ werden kann. Daher verkündete der amerikanische Präsident jetzt längst überfällige, deutlich schärfere Regelungen für die Ölbohrungen vor der eigenen Haustür. Dann flog er selbst noch einmal nach Louisiana. All dies soll vor allem Amerikas aufgebrachte Öffentlichkeit beruhigen. Am Grunddilemma freilich ändert sich nichts. Auf die Ölbohrungen vor der eigenen Küste will auch Obama nicht verzichten. Denn Amerikas Lebensstil basiert auf billigem Öl.

P2News/Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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