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Obamas Linie

Der Dalai Lama im Weißen Haus – eigentlich ist es eingespielte Routine. Der sanfte Geistliche, der den Freiheitswillen der Tibeter symbolisiert, war nicht zum ersten Mal in der amerikanischen Machtzentrale. Nicht zum ersten Mal kamen aus Peking Töne schärfsten Protests. Nicht zum ersten Mal dürfte sich die Aufregung bald wieder legen. Und doch war es diesmal mehr als ein Routinebesuch. Es war das Signal einer Wende. Ein Jahr lang hat Barack Obama sämtliche Konflikte im Verhältnis der USA zum aufstrebenden China unter den Teppich gekehrt. Nichts sollte Chinas Präsidenten Hu Jintao verstimmen, nicht einmal so selbstverständliche Gesten wie der rote Teppich für den Dalai Lama, dessen Einsatz für die Menschenrechte in Amerika seit jeher gefeiert wird. In Peking nahm man die diplomatisch leisen Töne eher als Zeichen der Schwäche. Wo immer Obama im Stillen an Kompromissen feilte, fing er sich öffentliche Retourkutschen ein. Je charmanter er warb, desto härter geriet die Replik. Er korrigierte einen Fehler, indem er nun den Dalai Lama empfing, zeigte auf, wo für ihn die rote Linie verläuft. China hat getestet, wie weit es gehen kann bei dem noch neuen US-Präsidenten. Obama hat endlich eine souveräne Antwort gegeben.

P2News/Rheinische Post

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