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Neues vom Scheiterhaufen

Millionen Frauen sind im Mittelalter von der „Heiligen Inquisition“ als Hexen verbrannt worden. Wirklich Millionen? Wirklich Opfer der katholischen Kirche? Wirklich Frauen? Wie GEO berichtet, ist die Forschung mittlerweile zu einem differenzierteren Bild der immer noch mit jeder Menge Legenden behafteten Hexenverfolgung gekommen.

Danach waren es nicht neun Millionen, sondern vermutlich rund 50 000 Menschen, die über dreieinhalb Jahrhunderte als vermeintliche „Hexen“ ums Leben gebracht wurden. War die Hexenverfolgung keine Erscheinung des „finsteren Mittelalters“, sondern setzte erst zu Beginn der Neuzeit ein. War sie keine originäre Praxis der katholischen Kirche, sondern hatte ebenso protestantische und weltliche Wurzeln und ihr Zentrum nicht etwa im europäischen Süden, sondern in Deutschland. Und schließlich: Es sind nicht nur Frauen verfolgt worden, sondern zu rund einem Viertel auch Männer, in manchen deutschen Landstrichen mehr Männer als Frauen.

Beispiel Bamberg: Hier leerten sich im Zuge der Hexenverfolgung zwischen 1626 und 1630, vermutliche Opferzahl 900, nicht die Behausungen verdächtiger Kräuterweiblein, sondern die Patrizierhäuser, wurden Kanzler, fürstliche Sekretäre, Bürgermeister, Vögte und Mitglieder des Stadtrates verbrannt.

Beispiel Baskenland: Als dort, etwa 1609, die Hexenhysterie ausbrach, war es der Inquisitor der katholischen Kirche, der sagte, dass es weder Hexen noch Verhexte gebe, und gegen die Todesstrafe auftrat – einige Zeit, nachdem der protestantische Reformator Luther geschrieben hatte: „Die Zauberinnen … schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden.“

Von der Nazi-Ideologie, die Hexen zu Müttern einer germanischen Ur-Religion und Hüterinnen eines nordischen Ur-Matriarchats machte, bis zu einer feministischen These in den USA, wonach die Hexenverfolgung ein „Gynozid“, ein Massenmord am weiblichen Geschlecht gewesen sei: Die neue Forschung ist dabei, einen Mythen- und Theoriesalat zu entsorgen, wie er zu kaum einem anderen Geschichts-Phänomen aufgetischt worden ist.

P2News/Gruner+Jahr, GEO

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