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Mittelstand in der Krise

Folgen der Finanzkrise und Weltrezession erreichen deutschen Mittelstand

Der Mittelstand sieht sich in stürmischem Gewässer und rechnet mit einer schlechteren Geschäftslage und weniger Neueinstellungen in 2009. Die Ergebnisse des Deutschen Mittelstands-Barometers, kurz DMB, zeigen, dass neben der Steuerlast und dem andauernden Fachkräftemangel insbesondere die Bürokratie und Regulierung die Stimmung im Mittelstand weiter trüben. Zudem hat sich das Gründungsklima deutlich verschlechtert. Das DMB, für das über 2.400 mittelständische Unternehmer befragt wurden, ist ein Kooperationsprojekt der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft der Philipps-Universität Marburg gemeinsam mit der BDO Deutsche Warentreuhand AG und dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Mittelständler fürchten Finanzierungsklemme und Rezession

Besonders prekär ist die Einschätzung der befragten Unternehmer zum Konjunkturklima. Dieses wird mit 45,62 Punkten um 13 Punkte schlechter beurteilt als im Vorjahr. Vor allem die Branchen Einzelhandel und Handwerk leiden unter der konjunkturellen Entwicklung und bewerten ihre Lage als sehr schlecht. Ebenfalls negativ entwickelt sich die Finanzierungsproblematik im Mittelstand. Nach einer deutlichen Entspannung im letzten Jahr leiden insbesondere Mini- und Kleinstunternehmen an einer rigiden Finanzierungspolitik und bekommen damit die Auswirkungen der Bankenkrise und den Zusammenbruch der Bank Lehman-Brothers deutlich zu spüren. Zudem beurteilen Kleinunternehmen mit unter neun Mitarbeitern das deutsche Arbeitsrecht als äußerst problematisch, da sie angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage dringend flexiblere Lösungen zur Kapazitätsanpassung benötigen.

Auch die Freude der befragten Unternehmer an ihrer Arbeit reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr signifikant um fast 8 Punkte. Insgesamt sanken alle erhobenen Faktoren: Das Barometer zeigt damit einen deutlichen Abschwung an, der seit Jahresmitte 2008 anhält. Verhalten optimistisch stimmt aber, dass über 60 Prozent der Teilnehmer planen, die Zahl ihrer Arbeitsplätze stabil zu halten. Nur knapp 7 Prozent denken über eine Verringerung ihrer Beschäftigtenzahl nach.

Hemmschwellen: Bürokratie und Überregulierung sowie schlechtes Gründungsklima

Bürokratie und Regulierung sind auch in der aktuellen Unternehmerbefragung des DMB wieder das Problemfeld, das die Mittelständer mit 75,25 Punkten am stärksten belasten. „Eine Modernisierung der Bilanzierungsregeln ist dringend notwendig, um die externe Rechnungslegung, beispielsweise bei Jahresabschlüssen, für Mittelständler transparenter und weniger komplex zu gestalten“, erläutert Dr. Ulrich Grünwald von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand. „Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz ist hier ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein wesentliches Ziel muss zudem die Verringerung der Steuer- und Abgabenbelastung für den Mittelstand sein.“

Die Gründungsrate ist in 2008 weiter kontinuierlich gesunken, und auch das Gründungsklima hat sich nach Ansicht der befragten Unternehmer deutlich verschlechtert. Zwar kann ein Teil des Rückgangs der Gründerzahlen auf eine insgesamt positive Lage am Arbeitsmarkt 2008 zurückgeführt werden, jedoch wird vorrausichtlich vor allem der demographische Wandel die Gründerzahlen in den nächsten Jahren weiter sinken lassen.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass nun auch deutsche Unternehmer die Sogwirkung der Finanzmarktkrise deutlich zu spüren bekommen. Um die Folgen abzufedern, muss der Mittelstand dringend durch Sonderprogramme wie Gründungsförderungen gestärkt werden“, zieht Professor Michael Lingenfelder von der Forschungsstelle für Mittelständische Wirtschaft und Studienleiter des Deutschen Mittelstands-Barometers Bilanz.

Dazu sollte die Politik beispielsweise entsprechende Gründerprogramme initiieren, die sich speziell an über 50-Jährige richten und ihnen die Gründung vereinfachen sowie mögliche Risiken verringern. Zudem sollten Frauen als potenzielle Gründerinnen deutlich stärker gefördert werden. Sie haben bislang nur einen sehr geringen Anteil an Gründungen in Deutschland.

Um die Finanzierungsproblematik und die Folgen der Rezession für deutsche Unternehmen abzuschwächen, muss ein Sonderprogramm für den Mittelstand aufgelegt werden. „Es darf nicht sein, dass nur die großen Unternehmen bei den Politikern Gehör finden. Denn gerade die mittelständischen Unternehmen – und damit das Rückrat der deutschen Wirtschaft – spüren die Kreditklemme besonders deutlich. Hier sind durch eine restriktive Finanzierungspolitik zigtausende von Arbeitsplätzen in akuter Gefahr „, so Prof. Lingenfelder. Daher sollten gerade für den KMU-Bereich spezielle Kredite für Betriebsmittel, wie beispielsweise in Sachsen geschehen, bereitgestellt werden.

Zum Studiendesign

Für die jährliche Unternehmerbefragung des DMB wurden fast 2500 Geschäftsinhaber und -führer aus ganz Deutschland zu ihrer Stimmungs- und Geschäftslage befragt. Kern der Studie bildet das so genannte Eisbergmodell, das neben der wahrgenommenen Geschäftslage und der Bereitschaft zur Schaffung neuer Arbeitsplätze auch das Gründungsklima, das wahrgenommene Unternehmerbild in der Öffentlichkeit und die Freude am Unternehmertum umfasst. Alle ermittelten Werte haben sich gegenüber dem Vorjahr – teilweise stark – verschlechtert. Insgesamt beeinflussen die psychischen Faktoren die wahrgenommene Geschäftslage zu 64 Prozent. Die Schaffung von Arbeitsplätzen lässt sich zu 64 Prozent mit dem Eisbergmodell erklären.

Des Weiteren wurden die Unternehmer zu sechs wesentlichen Rahmenbedingungen befragt, welche die unternehmerische Tätigkeit beeinflussen. Zu diesen zählen Steuer- und Abgabenbelastung, Bürokratie und Regulierung, Finanzierung, Ausbildungsniveau der Nachwuchskräfte, deutsches Arbeitsrecht und derzeitiges Konjunkturklima.

Das Deutsche Mittelstands-Barometer

Die Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft der Philipps-Universität Marburg (FMW) erhebt branchenübergreifend, regional und überregional wichtige Themen- und Problemfelder des deutschen Mittelstands. Das Deutsche Mittelstands-Barometer ist ein Kooperationsprojekt zwischen der FMW, dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der BDO Deutsche Warentreuhand AG. Die ursprünglich als Marburger Mittelstands-Barometer initiierte Untersuchung startete 2004 in Zusammenarbeit mit dem BVMW und hat in den letzten drei Jahren in Medien, Politik und der Wirtschaftspraxis deutliche Akzente gesetzt.

Einmal jährlich werden in einer umfangreichen Studie Unternehmer u.a. zu ihrer Einschätzung des Geschäftsklimas und ihrer Stimmungslage befragt. Zwei flankierende Untersuchungen im Frühjahr und Herbst geben Einblicke in die wirtschaftliche Situation der Unternehmen und Rahmenbedingungen für erfolgreiches Unternehmertum aus Sicht von Mittelstandsexperten. Die insgesamt drei Erhebungen des Barometers ermöglichen damit valide Aussagen zur faktischen und gefühlten Lage der Mittelständler im Jahresverlauf. Kurzum: Das Psychogramm des deutschen Mittelstands.

Das DMB bündelt die Perspektiven und Expertisen von Wissenschafts-, Verbands-, Unternehmens- und Medienseite: Mit der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft (FMW), dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), BDO Deutsche Warentreuhand AG und dem Wirtschaftsmagazin Markt und Mittelstand schließen sich vier Kompetenzpartner im Bereich mittelständische Wirtschaft zusammen.

P2News

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