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Luftfahrtindustrie, Aussichten: heiter bis wolkig

Für den „2009 Global Aerospace & Defense Industry Performance Wrap-up“-Report hat Deloitte die Geschäftsergebnisse von 91 globalen Unternehmen der Luftfahrtindustrie (Aerospace & Defense Industry) mit einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro analysiert.

„Die meisten der untersuchten Unternehmen haben den krisenbedingten finanziellen Herausforderungen getrotzt und sich besser behauptet als Unternehmen anderer Branchen“, sagt Michael Hessenbruch, Partner A&D bei Deloitte. „Diese Widerstandfähigkeit basiert neben den gesunden Bilanzen und langfristig ausgerichteten Strukturen der Unternehmen besonders auf der weiterhin hohen langfristigen Nachfrage in den nicht-westlichen Weltregionen nach Sicherheits- und Verteidigungstechnik, aber auch nach Verkehrsflugzeugen.“

So blieben die Umsätze in etwa auf Vorkrisenniveau, während die Margen und Gewinne aus dem operativen Geschäft um etwa 15 bis 16 Prozent sanken. Dabei erwiesen sich die US-amerikanischen Unternehmen insgesamt profitabler als die europäischen Konkurrenten. Bei näherer Betrachtung der einzelnen Unternehmen zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Sonderabschreibungen und Verlustrückstellungen in Großprogrammen bei Boeing, EADS und BAE Systems machen einen Großteil dieses Gewinnrückgangs der Branche aus.

„Die Branche steht trotz schwieriger Zeiten vergleichsweise gut da und ist bereit für den Aufschwung. Dieser wird sich jedoch regional unterschiedlich schnell vollziehen. Ebenso werden die verschiedenen Unterbranchen der Luftfahrtindustrie ungleich stark profitieren. In Europa sind die längerfristigen Perspektiven allerdings nicht ungetrübt: So ist in nächster Zeit länderübergreifend mit einer Kürzung von Wehretats zu rechnen – hinzu kommen Wechselkursschwankungen und ein weiterhin erschwerter Kreditzugang. Für die Unternehmen bedeutet das in den nächsten Jahren erhebliche Herausforderungen – zusätzlich zu den Performance-Problemen in Großprojekten“, erklärt Hessenbruch.

Die 20 weltweit größten Unternehmen der Luftfahrtindustrie
1. Boeing 11. Thales
2. EADS 12. Rolls Royce
3. Lockheed Martin 13. L3 Communication
4. BAE Systems 14. Safran
5. Northrop Grumman 15. Honeywell Aerospace
6. General Dynamics 16. Textron
7. Finmeccanica 17. SAIC
8. Raytheon 18. Bombardier Aerospace
9. United Technologies 19. Goodrich
10. GE Aviation 20. ITT Defense

Boeing wieder Spitzenreiter

Während Boeing sich im letzten Jahr von den Streikfolgen aus 2008 erholte, musste der europäische EADS-Konzern 2009 einen operativen Verlust von 530 Mio. US-Dollar verkraften. Dementsprechend gab es an der Spitze des Rankings der bedeutendsten A&D-Unternehmen einen Wechsel: Boeing löste Vorjahres-Spitzenreiter EADS ab und ist nun wieder die Nummer eins.

US-Unternehmen profitabler

Die US-amerikanischen Anbieter verzeichneten im Jahr 2009 ein Umsatzwachstum von 3,4 Prozent, während die Umsätze der Europäer um 2,1 Prozent zurückgingen. Die operativen Margen der US-Amerikaner lagen bei 9,3 Prozent, die der Europäer bei 4,6 Prozent. Die Gründe für die niedrigere Profitabilität der Europäer liegen unter anderem in der noch unzureichend schnellen und konsequenten Rationalisierung/Anpassung der Produktionsanlagen, aber auch in arbeitnehmerfreundlicheren gesetzlichen Rahmenbedingungen als in den USA.

Bestellungen rückläufig

Insgesamt gingen in der gesamten Branche die Auftragseingänge deutlich stärker zurück als die Umsätze. Dies führte dazu, dass die Book-to-Bill Ratio bei den in der Studie Befragten von 1,40 im Jahr 2008 auf 0,89 im Jahr 2009 fiel – ein Rückgang um knapp 37 Prozent. Ausschlaggebend für diesen Rückgang sind sowohl ausbleibende Neubestellungen als auch die Stornierung bereits bestehender Aufträge. Aller Voraussicht nach wird die Dynamik in diesem Bereich in nächster Zeit in einigen Bereichen wie der Geschäftsfliegerei auf niedrigem Niveau verbleiben, während andere (wie etwa Zivilluftfahrzeuge) sich schnell erholen werden.

Anbieter unter Druck

Abseits der allgemeinen konjunkturellen Lage ist für die Entwicklung der A&D-Branche eine Reihe individueller, unternehmensspezifischer Faktoren ausschlaggebend. Dazu gehören die angespannte Lage bei den EADS Großprojekten, höhere F&E-Kosten bei Boeing, die gegen BAE-Systems verhängten Sanktionen sowie ein Gewinneinbruch bei Textron. Erstaunlicherweise blieb der Beschäftigungsstand in der gesamten Industrie weltweit vergleichsweise stabil.

„Für die A&D-Branche ist das Jahrzehnt der nahezu ungebremsten Prosperität definitiv vorbei. Umso wichtiger ist es für die Marktteilnehmer, jetzt die maßgeblichen Treiber für künftiges Wachstum zu identifizieren und konsequent zu nutzen. Diese werden vor allem innovative Technologien in Bereichen wie Cybersicherheit, Überwachung, unbemannten Flugzeugen und Homeland Security sein, was auch zu einer Veränderung in der Supplier-Struktur der Industrie führen wird“, so das Fazit von Michael Hessenbruch.

P2News/Deloitte

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