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Lamento über den Aufschwung

Wo ist der technische Fortschritt besonders augenfällig, wo also kann menschliche Arbeitskraft besonders gut wegrationalisiert werden? In der Metall- und Elektroindustrie. Welche Branche ist besonders exportabhängig, müsste also vom historischen Hoch des Euro stark gebeutelt sein? Die Maschinen- und Fahrzeugbauer. Das Gegenteil aber ist tatsächlich geschehen. Deutschlands Schlüsselbranche, in der 3,6 Millionen Menschen ihr Brot verdienen, erlebt einen Beschäftigungs-Boom wie seit 40 Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr sind bundesweit 130 000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden – keine Minijobs, keine Zeitarbeit, sondern Stellen, die auch den Staat mit gutem Geld ausstatten. Im verbreiteten Lamento über den Aufschwung, der angeblich nicht ankommt, darf diese Wirklichkeit getrost mal als Kontrastprogramm herangezogen werden. Man kann den scheinbaren Widerspruch noch weiterspinnen. Denn die Metallindustrie zeichnet sich auch noch dadurch aus, dass sie bereits in der Vergangenheit vergleichsweise ordentliche Löhne zahlte. Und dennoch stellen die Firmen Mitarbeiter ein. Dies räumt mit verbreiteten Vorurteilen auf. Etwa dass dem Industrieland Deutschland die Arbeit ausgehe. Arbeit ist immer genug da – nur nicht zu jedem Preis. Andererseits: Löhne brauchen auch nicht niedrig zu sein. Qualifizierte und gefragte Arbeit hat ihren guten Preis. Auch in Zukunft.

Südwest Presse

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