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Kultur des Misstrauens

Das ist ja eine schöne Unternehmenskultur. Wer arbeiten will, muss erstmal bluten. Bluttests bei Bewerbern als letzte Entscheidungshilfe, damit schafft man Verunsicherung und Misstrauen. Ist das Arbeitsklima in Zeiten zunehmender Bespitzelung nicht schon belastet genug?

Wer mit Lebensmitteln umgeht, wird gründlich untersucht. Das
begreift jeder, weil es für den Job eine unverhandelbare
Voraussetzung ist. Aber was sagt die Blutqualität über die
Berufsfähigkeit eines Journalisten aus? Was für ein Ausleseverfahren
greift da anschließend um sich? Pfiffiger Mensch, aber leider
Diabetiker? Ist man mit leicht erhöhten Leberwerten untauglich als
Radiosprecher?

Die Behindertenquote musste eingeführt werden, um die Chancen
Benachteiligter zu verbessern. Eine Errungenschaft ist das, keine
Bestrafung. Der Bluttest dreht die Uhr wieder zurück.

Anders als Fitnesstests gewährt eine Blutuntersuchung intimste
Einblicke in die Gesundheit. Und selbst wenn es nun Schwüre hagelt,
man werde die Daten nicht missbrauchen: Sie sind erstmal eine
Fundgrube für jeden Chef, der mehr über seine Beschäftigten wissen
will.

P2News/Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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