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Krise an den Börsen

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie ungemütlich es auf dem internationalen Parkett zugeht, dann liegt er jetzt vor. Der Tranquilizer namens Zinssenkung aus den USA zeigt mit Macht: Die US-Finanzkrise hat auf den Rest der Wirtschaft übergegriffen. Und das ist ein ernsthafter Befund.

Die Zinssenkung der US-Notenbank ist als Notbremse für die Börsen
gedacht, weil niedrigere Zinsen für Anleger Aktien-Käufe wieder
attraktiver im Vergleich zu anderen Geldanlagen machen und so den
Kursverfall bremsen helfen. Zudem sollen niedrige-re Zinsen die
Amerikaner zum Geldausgeben in die Kaufhäuser treiben, gerne auch auf
Pump. Selbiges Ziel hat das US-Konjunkturprogramm von 150 Milliarden
Dollar. Bloß: Die Aktien-Anleger sind durch die Bush-Aktion erst
aufgeschreckt worden.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer. So haben Konjunkturprogramm und
Zinssenkung erst das Gespenst der Rezession zum Leben erweckt.
Schließlich darf man davon ausgehen, dass Bush und der mächtigste
Notenbanker der Welt, Ben Bernanke, wissen, warum sie derart große
Werkzeuge aus ihren Instrumentenkästen klauben. Die Börse ist der
Handelsplatz der Zukunft, und die Erwartungen in eine Bewältigung der
Krise spiegeln sich in den internationalen Börsenbarometern wider:
Abwärts ist der Ausdruck für schwindende Hoffnungen.

Wie viel Krise schwappt nach Deutschland? Das ist die
Gewinner-Frage, die derzeit keiner beantworten kann. Die Abhängigkeit
von den USA ist dank der Euro-Gemeinschaft für deutsche Unternehmen
nicht mehr so groß wie sie es einst zu D-Mark-Zeiten war. Allerdings
ist auch richtig: Wenn die USA fiebern, hat die Welt Schüttelfrost.

Auch in Deutschland schlummern in den Büchern der Banken jede
Menge Risiken aus den US-Immobiliengeschäften. Die exakte Höhe ist
noch unbekannt. Wenn Banken sich aber untereinander nicht vertrauen,
dann steigt der Zins als Risikoprämie fürs Geldausleihen. Dann
wiederum verteuern sich die Investitionen, die Unternehmen mit
Krediten bezahlen – mit Folgen für die Auftragsbücher etwa der
Maschinenbauer, mit Folgen für die Zahl der Arbeitsplätze.

Wir werden mit dieser Unsicherheit leben müssen. Die Politik
allerdings könnte helfen, die Wirtschaft etwas sturmsicherer zu
machen: Dazu aber wären mehr, nicht weniger Reformen hin zu
flexibleren Arbeitsmärkten nötig. Insofern erwischt diese Krise die
Politik auf dem falschen Fuß.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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