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Kollisions-Alarm im deutschen Luftraum

Um fatale Zusammenstöße im in der Luft zu vermeiden, verfügt jedes Verkehrsflugzeug über ein Bordkollisionsschutzsystem ACAS (Airborne Collision Avoidance System). Das Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der Technischen Universität Braunschweig hat weltweit erstmals den Datenaustausch zwischen den Bordkollisionsschutzgeräten der Verkehrsflugzeuge über 2,5 Millionen Flugstunden untersucht. Wie reagieren Flugzeuge bzw. Piloten in der konkreten Verkehrssituation? Allein im norddeutschen Luftraum gibt es durchschnittlich mehr als einen Kollisions-Alarm pro Tag.

Das Bordkollisionsschutzgerät ACAS wurde von der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO als Rettungssystem der letzten Sekunden konzipiert, in den noch ein erfolgreiches Ausweichen möglich ist. Es misst den Abstand und die Höhendifferenz und gibt dem Piloten Ausweichanweisungen. Ziel ist es, die Häufigkeit von Kollisionen in der Luft um den Faktor 10, das heißt auf einen Unfall pro eine Milliarde Flugstunden, zu senken. Anfang der 90er Jahre hat die ICAO beschlossen, in den Industriestaaten Empfangs- und Auswertungsstationen zu errichten, welche die Kommunikationen ACAS-ausgerüsteter Flugzeuge vom Boden aus ständig mithören und auswerten. Dieses Vorhaben wurde jedoch bislang nicht umgesetzt.

Weltweit erstmals hat nun das Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der TU Braunschweig Kollisions-Alarme seit April 2007 aufgezeichnet und untersucht. Die Auswertung dokumentiert nicht nur die Kollisions-Alarme, sondern auch die Verkehrssituation und die Reaktion der Piloten. Fazit: „In jedem siebten Fall wurde den Ausweichanweisungen des ACAS-Systems nicht korrekt gefolgt“, so Prof. Form. Vom April 2007 bis August 2008 beobachteten die TU-Wissenschaftler 2,5 Millionen Flugstunden von Verkehrsflugzeugen im norddeutschen Luftraum. In diesem Zeitraum wurde durchschnittlich mehr als eine von ACAS erkannte Kollisionsdrohung pro Tag dokumentiert. „Das ist einmal am Tag zuviel“, resümiert Professor Peter Form.

Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWiT) entwickelten die Wissenschaftler eine experimentelle Bodenstation, die in Braunschweig aufgestellt wurde und die den Datenaustausch von Verkehrsflugzeugen im norddeutschen Luftraum mithört, automatisch analysiert und detailliert darstellt.

Seit August 2008 wurde durch weitere Bodenstationen die Überwachung ausgedehnt. Den TU-Wissenschaftlern stehen nun fünf über ganz Deutschland verteilte Empfangsstationen zur Verfügung, die von der Firma Thales hergestellt worden. Diese Stationen in Frankfurt, Stuttgart, München und zwei in Braunschweig senden täglich Empfangsdaten von bis zu 1.000 Flugzeugen gleichzeitig nach Braunschweig. Dieses weltweit einmalige Netz erfasst damit wesentliche Teile des deutschen Luftraumes. Mit diesem Netz wurden seit dem 15. August 2008 bis zum 20. November 2008 an 98 Tagen bereits 510 Kollisions-Alarme registriert.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der TU Braunschweig endet im Dezember 2008. Mehrere deutsche Fluggesellschaften interessieren sich unterdessen für die Ergebnisse und erhalten die Auswertungen. Auch die Europäische Luftsicherheitsbehörde (EASA) hat bereits Interesse angemeldet. „Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass eine weitere Langzeitbeobachtung und eine tiefer gehende Analyse erforderlich ist“, fasst Prof. Peter Form zusammen. Eine Fortführung des ACAS-Monitoring-Projektes wird mit dem Bundeswirtschaftsministerium, der Deutschen Flugsicherung und der Firma Thales diskutiert

P2news

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