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Kinderarmut im Ruhrgebiet – Es geht um die Zukunft

Sie betrifft – grob gesagt – jedes dritte Kind in den Ruhrgebietsstädten, und damit ist sie ein Massenphänomen: Die Armut durch Hartz IV. Hinzu kommen noch die Kinder, deren Eltern so wenig verdienen, dass sie gerade eben über das Existenzminimum hinaus kommen. Für das Ruhrgebiet ist das ein ungeheurer Strukturnachteil, der nahezu jeden Vergleich mit anderen Regionen unmöglich macht.

Besonders plastisch lässt sich dies am Beispiel der Bildung verdeutlichen. Dass die Kinder in Bayern und Baden-Württemberg mehr wissen, dass sie auch mit Hauptschulabschluss fähig für eine ordentliche Berufsausbildung sind, dass sie besser lesen, schneller rechnen – man kann es nicht mehr hören. Zumal die Reaktion dieser Landesregierung – die nun mal die Hoheit über die Bildung im Land hat – sich auf einen heftigen Reformeifer beschränkt, der jedoch das Grundübel der Benachteiligung gar nicht ausmerzen kann, solange die Kinder so abhängig von der Unterstützung durch das Elternhaus sind.

Allein weil es so viele sind, lernen arme Kinder im Ruhrgebiet schlechter als arme Kinder in München. Während hier der Ausflug auf den Erlebnisbauernhof ganz ausfällt, trägt dort die Masse der verdienenden Eltern eben die Fahrtkosten des vielleicht einzigen armen Kindes mit. Während es hier massenhaft Eltern nicht schaffen,
ihre Kinder so zu unterstützen, wie es das Schulsystem nun mal erfordert, sind es dort einzelne Kinder, die obendrein vom Klassenverband aufgefangen werden können.

Es geht nicht um die Frage, ob das dreigliedrige Schulsystem besser ist oder die Einheitsschule. Es macht auch überhaupt keinen Sinn, die Schuld nur bei Eltern zu suchen, die weder Pausenbrote schmieren noch Klassenpflegschaftssitzungen besuchen. Entscheidend ist auch nicht die Höhe der – sicherlich zu niedrigen –
Hartz-IV-Sätze für Kinder.

Es geht darum, den Heranwachsenden zu helfen, damit sie für die Zukunft eine Perspektive haben. Mit einem vollen Magen, einer ordentlichen Ausstattung und einer wirklich umfassenden wie individuellen Förderung. Genauer gesagt: Wir brauchen eine Schulspeisung, die völlige Lehrmittelfreiheit, mehr Lehrer und
kleinere Klassen.

Schafft es diese Region nicht, die Masse von armen Kindern zu unterstützen, wird sie niemals ihr Ziel erreichen, sich ökonomisch, wissenschaftlich, gesellschaftlich und auch kulturell mit anderen Ballungsräumen vergleichen zu können.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

P2News

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