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Kate und William – eine Chance für die Windsors

Der Kuss auf dem Balkon – sympathisch unbeholfen. Dann noch einer, spontan. Höhepunkt der stilvollendeten und tatsächlich in gewisser Weise bescheidenen Hochzeit von Kate und Prinz William. Die Schleppe der Braut, so kurz, dass sie nicht einmal die kleine Treppe zum Altar herunterreicht. Überhaupt ist das Kleid zart und zurückgenommen, genauso wie der Brautstrauß. Der Ehering? Ein schmales Band, mehr nicht. Dianas Schleppe im Jahr 1981 war dreimal so lang, prunkende acht Meter, ihr Brautstrauß glich einem blumigen Wasserfall, und sie, die Braut Diana, sah ein wenig verloren aus in ihrem aufbauschenden Sahnebaiser-Kleid. Damals war alles Pomp. Wie sich später herausstellte – falscher Pomp. Und heute? Das Traugebet ist geprägt vom sozialen Gedanken. So hat es sich das Brautpaar gewünscht. Statt Hochzeitsgeschenken spenden die Gäste für einen guten Zweck. Das frische Grün in der Westminster Abbey, das frühlingshafte Weiß der Blumen, alles passte. Ein spürbarer Neubeginn. Man wünscht ihn der Familie Windsor. Denn die zurückliegenden Jahrzehnte waren stürmisch, das Königshaus schlingerte zwischen Seifenoper und Shakespeare. Kein Kind der Welt sollte so viele intime Details über seine Eltern kennen, wie Kronprinz William und sein Bruder Harry über die eigenen erfahren mussten. Auch bei diversen Onkeln und Tanten hörten die Skandale nicht auf. Und mehr als das alles erschüttert bis heute der Anblick von William und Harry, wie sie gesenkten Hauptes hinter dem Sarg ihrer Mutter durch London schritten. Das Schicksal hatte William, das privilegierte Königskind, mit harter Hand angefasst. Dass er nun eine Frau gefunden hat, die aus einer heilen, einer bürgerlichen Familie stammt, scheint ein Glücksfall zu sein: eine Erdung, die zugleich eine Heilung ist. Hoffentlich weiß Kate, worauf sie sich einlässt. In den letzten Jahren sah man mehrere Neu-Prinzessinnen zerbrechen: Letizia von Spanien wirkte auch auf dieser Hochzeit erschreckend dünn, das Gesicht zur Maske erstarrt. Mette-Marit aus Norwegen fiel nach der Trauung in ein depressives Loch. Masako, die Frau des japanischen Thronfolgers, verstummte nach ihrer Heirat. Der interne wie der öffentliche Druck auf diese Frauen muss unglaublich sein. Denn die moderne Welt hat das zentrale Privileg der Könige zersetzt: Über den profanen Dingen zu stehen, von ihnen unberührbar zu sein. Der Hochadel soll heute um die Gunst der Masse buhlen wie jeder Promi. Die letzten Könige treten an gegen die anderen Götter der Moderne, vorneweg die Schauspieler, dicht gefolgt von Popstars und Sportlern. Standen sie nicht gestern auf der königlichen Gästeliste, die Beckhams und Elton Johns und Guy Ritchies dieser Welt? Und doch scheidet eine feine, aber harte Linie sie alle von diesem Paar. Könige und ihre Thronfolger sind immer im Dienst. Für das Volk, das sie bezahlt und dafür erwartet, dass die steuerfinanzierten Adelsidole ihm das perfekt vorleben, was ihm die Schauspieler- und Popgötter versagen: Erhabenheit. Das Prinzenpaar hat das Zeug, geliebt zu werden. Eines Tages werden sie wohl König und Königin von England werden, natürlich erst nach Charles und Camilla. Hoffen wir, dass sie sich bis dahin ihre Stilsicherheit und Bescheidenheit bewahren. Für England wäre es ein Gewinn.

P2News/BERLINER MORGENPOST

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