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Journalismus: Farbig, frei und kritisch ins neue Jahr!

Wolfram Riedel | Auto-Reporter.NET

Inzwischen kennt man’s: Nur weil sich wieder mal jemand bei einem öffentlichen Auftritt in der Wortwahl vertan hat und damit gegen die landesweit verordnete Bravheit mit dem amtlichen Siegel „political correctness“ verstieß, gibt es in Fernsehkanälen und Zeitungsspalten lang anhaltendes Gezeter.

Was ist los mit unserem Land, wenn schon der Gebrauch einer einzigen geächteten Vokabel genügt, über den Interpreten herzufallen, als überbringe er die Botschaft des Teufels!
Für derart mystische Vorgänge liefern zuerst deutsche TV-Talkrunden bedrückenden Anschauungsunterricht.
Längst versammeln die Sender vor den Kameras vorsorglich mehrheitlich politische Korrektheit, um vor Überraschungen sicher zu sein.
Dennoch: Ab und zu stoppte im zu Ende gehenden Jahr jemand die langweiligen ideologischen Hahnenkämpfe und sprach unter dem befreienden Beifall geladener Studiogäste mit Volkes Stimme Klartext.

Laufen die Dinge im Großen und Ganzen aber so weiter wie bisher, nimmt die Demokratie Schaden.
Wo das enden kann, zeigt das von der rechtskonservativen Regierung Ungarns gebastelte Mediengesetz.
Es sieht vor, dass eine staatliche Behörde fortan Fernseh- und Radiosender, aber auch Zeitungen und Internetportale kontrolliert. Passt den Kontrolleuren etwas nicht, haben Journalisten „im Interesse der öffentlichen Ordnung“ sogar ihre Informationsquellen offenzulegen.
Bei Verstößen gegen die verordnete Pflicht zu „ausgewogener“ Berichterstattung drohen Strafen. Das fühlt sich an, als kehrten die alten Zeiten staatlicher Medienkontrolle im sozialistischen Ungarn zurück.

Mag sein, dass rein politisches Geschehen einen Motorjournalisten erst in zweiter Linie berührt. An Sprachreglungen und Meinungsvorgaben braucht er sich ja eher weniger zu halten. Bleiben Motorjournalisten in ihrem Themenkreis, werden sie weiterhin eigene Urteile fällen und persönliche Ansichten unters fahrende Volk bringen können. Auch um den Fortbestand kooperativer Beziehungen zu Automobilherstellern brauchen sie nicht wirklich zu bangen, solange von ihnen vorgetragene Kritik offenkundig berechtigt ist und maßvoll bleibt.

Wer es für seinen journalistischen Auftrag hält, ein unschuldiges Auto selbstgefällig und lustvoll verbal zu schreddern, möge sich seinen Beifall am besten selbst spenden. Weil es nicht nur böse ist, mit zerstörerischem Übermut eine Marke anzugehen. Durchweg schlechte Autos gibt es nicht mehr. Dass Motorjournalisten der Stoff ausgehen könnte, ist nicht zu befürchten. Auch bei künftigen automobilen Neuerscheinungen werden sich kritische Bestandsaufnahmen schon deshalb nicht erübrigen, weil Autokäufer immer höhere Ansprüche stellen, Automobilhersteller aber auf wachsende Käufererwartungen unterschiedlich reagieren. Als geradezu unerschöpflicher Themenpool bietet sich das riesige Umfeld der individuellen Mobilität an. Anhaltend intensiv beschäftigen werden sich die Medien weiterhin mit den Chancen des Elektroantriebs.

Leider aber ist zu befürchten, dass der Journalismus in Deutschland an Vielseitigkeit einbüßt, dass er Farbe verliert.
Geht es so weiter wie bisher, läuft die Medienlandschaft Gefahr, nach und nach zu veröden, zu langweilen.
Hintergrund ist Banales: das Geld. Genauer gesagt der Sparzwang der Redaktionen, der meist mit einem schlechten Anzeigengeschäft und fallender Auflage begründet wird. Das vermeintlich rettende Universalrezept der Verlage ist bekannt: Redakteure, die Geld kosten, werden freigesetzt.

Erwartungen, die den deutschen Medien im neuen Jahr gelten, begleitet zuerst der Wunsch, dass es 2011 interessant, fair, frei und kritisch zugehen möge.
Offenbar stehen die Vorzeichen gar nicht schlecht, dass zunehmend auch kritische Geister zu Wort kommen.
Dass sich selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dieser Tage schon mal ein Moderator Tabu-Themen näherte und frei heraus bekannte, damit die „political correctness“ zu verletzten, lässt doch hoffen.
Um heiße Eisen, und davon gibt es in Deutschland eine ganze Menge, werden weder Politiker noch Medien immer seltener einen Bogen machen können.

(Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)

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