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Jeder blamiert sich selbst, so gut er kann

Seine Demontage hat Axel Weber perfekt hinbekommen. Mal geht er, mal nicht, dann kündigt er eine Klarstellung an, um klarzustellen, dass er nichts klar stellt. Chaostage in der Bundesbank.

Schon im Fall des Bundesbank-Vorstands Sarrazin hat Weber nicht glücklich agiert. Jetzt aber hat er nicht nur die Institution beschädigt, er hat auch die Kanzlerin brüskiert. Als Kandidat für den Chef-Posten der Deutschen Bank ist Weber raus, wobei schon die Idee verwegen ist: Es hätte einen üblen Beigeschmack, würde der oberste Kontrolleur deutscher Banken samt seines Insiderwissens bei einem Klienten anheuern.

Das alles aber sind Nebenkriegsschauplätze. Viel bedeutsamer sind die Folgen, die dieses Personaldebakel für die ohnehin erschütterte Architektur der Währungsunion und den Euro haben kann. Die Europäische Zentralbank (EZB) spielt für die Stabilität der Gemeinschaftswährung eine Schlüsselrolle. Ein EZB-Präsident Weber wäre ein Anker deutscher Stabilitätskultur gewesen in einer Zeit, in der dem Euro eine nie dagewesene Politisierung droht.

Seit dem vergangenen Sommer ist das Fundament des Euro bedrohlich ins Rutschen geraten. Kanzlerin Merkel hat die Auseinandersetzung mit dem französischen Präsidenten Sarkozy um automatische und strikte Strafen für Haushaltssünder verloren. Stattdessen hat sie die Tore für einen politischen Debattierclub namens Wirtschaftsregierung geöffnet. Das alles geschieht zeitgleich mit dem Sündenfall eines jeden Geldpolitikers, der an einer harten, inflationsfreien Währung interessiert ist: dem Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Denn das kommt dem Anwerfen der Gelddruckmaschine gleich. Weber war der einzige im Rat der EZB, der sich in dieser schwierigen Frage mit dem derzeitigen Notenbank-Präsidenten, dem Franzosen Trichet, angelegt hat. Die Gefahr ist greifbar: Der Aufkauf von Staatspapieren ist nichts anderes als eine Hilfestellung beim Schuldenmachen, und zwar mit der kalkulierten Folge einer zunehmenden Geldentwertung. Inflation nützt immer den verschuldeten Staaten, sie trifft aber immer die kleinen Sparer. Wer gebietet dem jetzt Einhalt?

Fazit: Wenn nun zu der Politisierung nationaler Lohn- oder Sozialpolitik durch die EU auch noch eine politisch beeinflussbare Notenbank kommt, dann landet der Euro bald auf der Intensivstation.

P2News/Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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