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Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Die Deutschen neigen zur zweiten Betrachtungsweise. Gewiss: Die Ergebnisse der neuen OECD-Konjunkturprognose schreien nicht danach, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Aber ein Piccolöchen dürften wir uns schon gönnen. Stabiles Wachstum in diesem und im nächsten Jahr, allenfalls ein moderater Anstieg der Arbeitslosigkeit, himmlische Aussichten im Export und sogar anhaltende Preisstabilität: Noch vor sechs Monaten hätte kaum jemand solch eine Vorhersage gewagt. Die große Konjunkturkrise ist überwunden. Die OECD-Studie zeigt aber auch, dass sich die Industrieländer in einem Ausmaß verschuldet haben, das seinerseits die wirtschaftliche Stabilität bedroht. Wer den Konjunkturteufel beständig mit Schuldenbeelzebub austreibt, landet über kurz oder lang in der Defizithölle. Griechen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen und Briten: Sie alle beteuern, der Irrlehre abzuschwören. Zur Erteilung der Absolution aber ist es noch zu früh. Zunächst ist der Bußgang fällig. Und der wird steinig – auch in Deutschland.

P2News/Westfalen-Blatt

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