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Immer mehr Ärzte kehren Deutschland den Rücken

Arzt sein in Deutschland macht immer weniger Spaß – sagen zumindest die Betroffenen selbst: Unterfinanzierung, Bürokratie und Budgetierung heißen die größten Probleme. Und die Ärzte klagen nicht nur; viele von ihnen ziehen die Konsequenzen und kehren dem deutschen Gesundheitssystem den Rücken. In den letzten fünf Jahren sind rund 15.000 Mediziner aus Deutschland ausgewandert.

Diesen Schritt geht demnächst auch Dr. Christian Rauscher. Der Allgemeinarzt betreibt seine Praxis in der Karlsruher Südstadt seit sieben Jahren. Am 11. Juli hat er dort zum letzten Mal Sprechstunde. Dr. Rauscher siedelt um in die Schweiz und übernimmt am Zürichsee eine Landarztpraxis. Bei der Frage nach den Gründen fällt auch bei ihm als erstes das Stichwort Bürokratie.

Christian Rauscher Nach der Sprechstunde sitze ich nochmal zwei Stunden da, um alle möglichen Papiere zu erledigen. Darüber hinaus ist es so: Es gibt eine Budgetierung, das heißt ungeachtet dessen, wie häufig ein Patient mich als Arzt benötigt, ist die Honorarmenge die gleiche.

Und obwohl Dr. Rauscher Praxis überdurchschnittlich gut läuft, reicht der Ertrag am Ende nicht mehr. Auch wegen der so genannten Fallzahlbegrenzung, die dazu führt, dass der Arzt Leistungen erbringt, die überhaupt nicht bezahlt werden.

Also ich habe im vierten Quartal vom Oktober bis zum Dezember 57 Patienten nicht bezahlt bekommen. Ich habe im ersten Quartal 2008 etwa 40 Patienten nicht bezahlt bekommen. Dem Patienten kann man jetzt natürlich nicht sagen: „Ich behandle dich nicht mehr, weil ich mit meinem Budget am Ende bin.“ Und insofern empfinde ich so etwas einfach, was Ärzte anbelangt, nicht zumutbar.

Die Entscheidung, auszuwandern, ist Dr. Rauscher trotzdem nicht leicht gefallen. Vor allem um seine Patienten tut es ihm Leid. Viele von ihnen behandelt er seit Jahren. Wie Gerhard Scheffner und Karin Weber:

Patienten Gerhard Scheffner und Karin Weber Ich halte ihn für einen sehr guten Arzt, und ich bedaure es sehr, dass er in die Schweiz geht. Ich hab Verständnis für ihn, mit den Kostenproblemen und mit den Einkommensproblemen, die bei uns die Ärzte haben. – Andererseits, für uns tut’s uns Leid. Damit muss man fertig werden. Und ich hoffe, das Vertrauen zu seiner Nachfolgerin wird das gleiche Vertrauen wie zu Dr. Rauscher.

Ärzteorganisationen wie der Verbund MEDI Deutschland warnen vor einem akuten Ärztemangel in den kommenden Jahren. Und auch die bekannte Autorin und Patienten-Aktivistin Renate Hartwig sieht das Problem wachsen.

Es gibt ja gar keine jungen Ärzte mehr, die in Deutschland bleiben. Unser eigener Sohn hat Deutschland verlassen. Wir haben ein Medizinstudium finanziert, und nach dem Praktischen Jahr hat er gesagt: „Danke, das war’s! Für dieses System hab ich nicht studiert.“ Und der ist ins Ausland, und der kommt auch nicht mehr zurück.

Ans Zurückkommen nach Karlsruhe denkt auch Dr. Rauscher nicht. Seit er die Zulassung für die Schweiz in der Tasche hat, kann er wieder ruhig schlafen. Das war nicht immer so in den vergangenen Monaten. Auf eins freut er sich besonders in der Schweiz: wieder wirklich Mediziner sein zu können, zu fairen Bedingungen und ohne starre Budgets:
Wer viel arbeitet, weil viel los ist, der wird eben besser honoriert als jemand, der wenig arbeitet, und ich finde das einfach fair. Es geht mir auch nicht darum, in die Schweiz zu gehen, um mir eine goldene Nase zu verdienen, sondern ich möchte als Arzt arbeiten können. Ich möchte mich voll und ganz meinen Patienten widmen können, ohne finanzielle Sorgen zu haben.

Immer mehr Ärzte kehren Deutschland den Rücken. Dr. Christian Rauscher aus Karlsruhe geht in die Schweiz und folgt damit 15.000 Kollegen, die in den letzten fünf Jahren ausgewandert sind.

MEDI Deutschland, P2news

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