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Gute Idee, miserabel umgesetzt

Die Empörung der Eltern ist groß, berechtigt und kostet, dass nur nebenbei, am Sonntag womöglich einen Ministerpräsidenten das Amt. Die Idee, in acht Jahren unsere Kinder bis zum Abitur zu führen, ist völlig richtig. Deren Umsetzung aber ist, sagen wir es, wie es ist: ein Skandal.

Die Kinder verlassen jetzt im Winter im Dunkeln das Haus und kommen heim, wenn es bald schon wieder dunkel wird. Sie haben sieben, acht, neun Stunden Schule hinter und die Hausaufgaben noch vor sich.
Zeit zum Spielen? Zeit zum Lesen? Gibt’s nicht mehr. Das ist völlig daneben. Kinder zu fordern, gerade in Zeiten, in denen Wissen so schnell veraltet wie noch nie in unserer Menschheitsgeschichte, ist
ohne Alternative. Aber Kinder planlos zu überfordern, ist fahrlässig und führt wahrscheinlich zur Verkehrung der gut gemeinten Absicht in ihr Gegenteil. Irgendwann ist der Kopf und der Akku eben nur noch leer. Jedenfalls zu leer, um noch mitzumachen in einer Theater-AG. Oder mit den Kumpels noch eine Stunde Fußball zu spielen.

Was muss nun passieren? Die Debatte muss im Licht der Erfahrungen noch einmal völlig von vorne anfangen. Wobei das Ziel nicht sein kann, wieder auf neun Jahre bis zum Abi zu gehen. Aber: Die Lehrpläne müssen auf den Prüfstand. Den Stoff von neun Jahren einfach auf acht Jahre zu verteilen, ist nicht nur fantasie-, sondern auch verantwortungslos. Zu einfach erscheint auch der Hinweis von
Lehrerverbänden, wenn man weniger unterrichte, führe dies automatisch zu Qualitätseinbußen. Das wollen wir doch erst mal sehen. Wenn man schon die Inhalte prüft, kann man das doch auch mit den Methoden machen. Wie wäre es mit einem offenen Ideenwettbewerb um den besten Unterricht der Zukunft?

Und selbstredend brauchen wir Ganztags-Gymnasien. Seltsam, dass es sie noch nicht gibt. Die Union will sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Zu spät, CDU: Der Druck ist längst da. Er kommt auch
nicht von der SPD, sondern von den Eltern. Eine Anmerkung noch zur Politik. Wir würden ja gerne mal was Positives schreiben, aber: Das war einfach nur dilettantisch. Wer so eine einschneidende Maßnahme beschließt, ohne die absehbaren Folgen mitzubedenken und gleich zu berücksichtigen, der hat einfach nur einen schlechten Job gemacht.
Also: an die Arbeit.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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