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Fraport: Lufthansa-Personal und UFO kündigen Warnstreik an

Die UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) hat einen Warnstreik der Lufthansa-Kabinenmitarbeiter angekündigt. Am Freitag, den 16.01.09 wurde die dritte Tarifrunde für Kabinenmitarbeiter bei der Deutsche Lufthansa AG ergebnislos von der UFO abgebrochen. Es wird am 23.01.2009 der Fraport (Frankfurter Flughafen) bestreikt.

Die Forderungen der UFO gegenüber der Lufthansa:

Erhöhung des Gesamtvolumens der Bezüge der Kabinenmitarbeiter um mindestens 15%. Die Laufzeit des Vergütungstarifvertrages soll 12 Monate betragen.
Zusätzlich zu den 15% fordert die UFO eine angemessene und dauerhafte Erhöhung der Ergebnisbeteiligung, die sich am Jahresgehalt orientiert. Untere Einkommensgruppen sollen jedoch einen demgegenüber erhöhten Einmalbetrag erhalten.
Dieses Gesamtpaket enthält folgende Einzelforderungen bezogen auf den Vergütungstarifvertrag (VTV) sowie den Manteltarifvertrag (MTV)

1. Eine substanzielle lineare Anhebung der Grundvergütung, die über dem Inflationsausgleich liegt

Die UFO fordert zurzeit absichtlich keine konkrete lineare Anhebung der Grundvergütung. Klar ist, dass die übrigen Forderungen nur durchsetzbar sind, wenn es keine unrealistisch hohe Forderung auf die Tabellen-Grundvergütung gibt.

2. Jährliche Gehaltssteigerungen für unsere neuen Kollegen

Seit 2005 gibt es für Neueinsteiger eine deutliche Schlechterstellung gegenüber den Kollegen. Innerhalb der ersten sechs Jahre wird nur alle zwei Jahre das Grundgehalt angehoben. Das Bruttogrundgehalt liegt zwischen 1400 und 1500 Euro. Wir fordern eine jährliche Gehaltssteigerung für unsere neuen Kollegen.

3. Eine angemessene Erhöhung der steuerfreien Schichtzulage für alle Kabinenmitarbeiter und Erhöhung der Purserzulage für den Purser I.

Das Kabinenpersonal erhält eine pauschalierte Schichtzulage in Höhe von 16,3%. Diese steuerfreie Schichtzulage liegt seit nunmehr seit Jahren fest. Seitdem haben sich die Arbeitszeiten für das fliegende Personal kontinuierlich verschärft. Immer dichtere Arbeitspläne besonders die Häufung von Nachtflügen sowie Einsätze an Wochenenden und Feiertagen machen eine Anhebung der steuerfreien Schichtzulage endlich notwendig, damit den neuen Belastungen Rechnung getragen wird.

Die Arbeitsbelastung für die Kurzstrecken-Purser hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch erhöht. Einer der Gründe: Da das Gehalt sich nur gering von dem eines Flugbegleiters unterscheidet, hat die Lufthansa seit Jahren einen eklatanten Mangel an Kurzstrecken-Pursern. Dies führt zu immenser Arbeitsbelastung der Purser und dazu, dass die Planung oft nicht einmal alle Flüge mit der tariflich vorgesehenen Anzahl Purser besetzen kann. Eine Erhöhung der Schichtzulage ist deshalb dringend geboten und zwischenzeitlich sogar von der Geschäftsleitung in Aussicht gestellt worden. Von diesem Zugeständnis ist sie mittlerweile jedoch wieder abgerückt.

4. Planänderungen müssen die Lufthansa Geld kosten – Schaffung einer sogenannten VdS-Zulage (d.h. Verlegung der Schicht)

Analog der Regelung für die Bodenmitarbeiter fordert die UFO eine Regelung für die Kabinenkollegen, die bei kurzfristigen Dienstplanänderungen eine sogenannte Verlegung-der-Schicht-Zulage auslöst. Ziel der UFO ist, die Anzahl der Dienstplanänderungen zu verringern. Beim Kabinen-Personal sind zurzeit unbegrenzte Planänderungen, teils mit weniger als 24 Stunden Vorlauf an der Tagesordnung. Verzweifelte Kollegen berichten von bis zu neun und mehr Planänderungen pro Monat. Eigene Freizeit zu planen, ist so nicht mehr möglich. Behördengänge, ja selbst Arzttermine müssen so immer wieder verschoben werden.

5. Geld für Arbeitszeit

Das Kabinenpersonal wird zurzeit nur bezahlt, solange es an Bord eines Flugzeugs tätig ist, das sich bewegt (die sogenannte Blockzeit). Alle Schulungen, Vorbereitungszeiten für die Arbeit an Bord, Zeiten am Boden bei Verspätungen, die Transitzeiten zwischen den einzelnen Flügen, werden aktuell überhaupt nicht vergütet. Stundenlange Wartezeiten am Finger, die Passagiere als unangenehme Wartezeiten wahrnehmen, finden für die Kollegen in ihrer unbezahlten „Freizeit“ statt. Die Firmenleitung beharrt hier weiter auf ihrem Standpunkt, dass alle anderen Tätigkeiten mit dem Grundgehalt abgegolten seien. Ein Entgegenkommen wurde hier noch nicht signalisiert.

MTV
Zusätzlich zu den 15% bezogen auf den VTV fordert die UFO eine angemessene und dauerhafte Erhöhung der Ergebnisbeteiligung, die sich am Jahresgehalt orientiert. Untere Einkommensgruppen sollen jedoch einen demgegenüber erhöhten Einmalbetrag erhalten.

1. Überfällige Umsetzung des Gesetzanspruchs auf Pause

Gegenwärtig besteht selbst bei extrem langen Schichten keine Pausenanspruch. Hier gilt für das Kabinenpersonal als einzige Berufsgruppe in Deutschland die Arbeitsstättenschutzverordnung nicht. Weder der Anspruch auf einen „Pausenraum“ (sogenannter Crewrest) noch eine Regelung zur Kompensierung von solchen Schichten z. B. durch nachgelagerte Ruhezeiten sind geregelt. Das muss sich ändern!

2. Krankheitstage sind keine freien Tage

Zurzeit werden Krankheitstage nicht bezahlungswirksam angerechnet. Erkrankt ein Kollege in den ersten Tagen eines Monats, wird er nach der Gesundmeldung bis an das gesetzliche Limit geplant. Obwohl durch eine hohe Arbeitsbelastung in der anschließenden Arbeitszeit ein Anspruch auf Mehrstundenvergütung entstehen würde, wird durch die Nichtbewertung der Krankheitstage nur das Grundgehalt gezahlt. Daher fordern wir eine Neuregelung der Krankheitstage als Arbeitstage analog zu Urlaubstagen.

3. Ausgleich für Belastungsstrecken

Es gibt keine Regelung, die besonders belastende Strecken mit einer langen Flugzeit, Flügen durch die Nacht oder den Zeitunterschied durch verbindliche Ruhemöglichkeiten kompensiert. So fliegt die Lufthansa ohne einen Tag frei vor Ort z. B. nach Seattle mit ca. 14 Stunden Flugdienstzeit (bei 8 Stunden Zeitunterschied), wobei der Hinflug eine Tagschicht ist, und nach einer lokalen Nacht erfolgt dann der Rückflug als Nachtschicht.

4. Crew-Complement

Bei der Lufthansa wird zum Teil mit den absolut gesetzlichen Limits an Flugbegleitern gearbeitet. Mitbewerber im Premium-Segment arbeiten teilweise mit 50% mehr Personal. Da für das Kabinenpersonal an Bord das Betriebsverfassungsgesetz keine Anwendung findet, hat die Interessenvertretung des Kabinenpersonals keine Mitbestimmung bei Arbeitsprozessen. Wie viele Kollegen arbeiten und wie hoch das Verhältnis von Kollegen zu Passagieren ist bestimmt zur Zeit ausschließlich der Arbeitgeber.

5. Dead – Head fliegen

In den Schichten des Kabinenpersonals sind immer häufiger Positionierungsflüge zum neuen Einsatzort geplant. Diese sogenannten Dead-Head-Flüge werden nur zu fünfzig Prozent als bezahlte Arbeitszeit gewertet. Zudem finden sie zumeist in Uniform und auf Passagiersitzen statt. Auf Europastrecken ist das Kabinenpersonal seit Jahren gezwungen, anders als früher, in der Economy-Klasse meist auf Mittelplätzen zwischen Passagieren, zu fliegen. Dead-Head in der komfortableren Business-Class fliegt heute nur noch der Kapitän.
Diese Flugzeiten erhöhen für alle Kollegen die mögliche Anzahl von maximalen Flugstunden, da sie nur zur Hälfte anteilig als Flugdienstzeit gerechnet werden. Langjährige Bemühungen diese zunehmenden Belastungen anderweitig zu regeln, sind gescheitert. Vorschläge der richterlichen Einigungsstelle zum Thema wurden in der Vergangenheit nicht umgesetzt. UFO bleibt somit nur die Möglichkeit zu fordern: Dead-Head-Flüge in der Business-Class für alle.

6. Zusätzlicher freier Tag für jedes angeordnete Bodenereignis

Ein Kabinenmitarbeiter hat im Jahr bis zu 12 zusätzliche Arbeitstage, an denen Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt werden. Diese Tage werden zurzeit nicht vergütet. Kostenneutral sollen zumindest ausgleichende freie Tage gewährt werden, da die Bodentage bisher zusätzlich zu einem vollen Flugprogramm eingeplant werden.

7. Keine gehaltsmäßige Schlechterstellung für Kollegen mit Zusatzfunktionen am Boden

Viele Kabinenmitarbeiter arbeiten nebenher in der Verwaltung, der Flugbegleiterschulung und in Projekten am Boden mit. Diese fliegerische Expertise wird aus vertragstechnischen Gründen mit anteiligen Flugstunden vergütet. Jedoch sind die Flugstunden so niedrig angesetzt, dass ein Kabinenkollege, der solche Nebentätigkeiten übernimmt, unter dem Strich trotz Mehrarbeit erheblich weniger verdient als ein „Nur-Flieger“.

8. Keine Kannibalisierung der Lufthansa durch Tochtergesellschaften

Die Lufthansa ist mit Zukäufen (AUA / Brussels Airline / bmi etc.) und ausländischen Neugründungen (Lufthansa-Italia) dabei, Europas größte Airline zu werden. Es muss eine belastbare Vereinbarung geben, dass diese teils im Low-Cost Segment arbeitenden Konzerntöchter keine interne Konkurrenz darstellen. Ein Größenwachstum der Töchter zuungunsten der Lufthansa Passage darf es nicht geben.

9. Mitbestimmung der Kabinen-Personalvertretung in der Hotelauswahlkommission (HOTAW), Mitbestimmung bei der Dienstplanerstellung.

Gegenüber allen anderen Berufsgruppen in Deutschland hat die Kabine in vielen Bereichen kein Mitbestimmungsrecht. Entscheidungen über Belastungsspitzen in Dienstplänen, Auswahl der Crew-Hotels und vieles mehr finden ohne die bestehenden Mitbestimmungsorgane statt.

Brennendes Thema ist die Rückgabe von zeitlich befristeten Bestandteilen aus einem Sanierungstarifvertrag von 2005 (Stichwort: Konzertierte Aktion). Die dort enthaltenen Einsparungen waren vertraglich auf eine Laufzeit bis Ende 2007 vereinbart. Da diese Bestandteile bislang nicht zurückgegeben wurden, hat die UFO bereits eine Klage vor dem Arbeitsgericht eingereicht und erstinstanzlich gewonnen. Dennoch zeigt sich die Arbeitgebervertretung hier uneinsichtig und hält daran fest, dass die Kabinenmitarbeiter die Rückgabe dieser Einsparmaßnahmen sich als Lohnsteigerung anrechnen lassen sollen. Diese Bestandteile müssen ohne eine Anrechnung auf den Tarifabschluss zurückgegeben werden.

10. Verschärfung der Bedingungen für einen Kommandantenentscheid

Der Kapitän entscheidet aktuell allein, ob bei unvorhergesehen Ereignissen eine Verlängerung der Dienstzeit auf bis zu 21 Stunden zumutbar ist. Cockpitkollegen haben jedoch bei solch langen Schichten die Möglichkeit während rund ein Drittel der Flugzeit in einem sogenannten Crewrest zu schlafen. Diese Möglichkeit hat die Kabinenbesatzung bei einer solchen Extremschicht nicht.

UFO

P2News

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