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Fragwürdige Ethik

Die Debatte um die Stammzellforschung braucht Schärfe und Behutsamkeit. Das mag zunächst ein Widerspruch sein, ergibt sich aber folgerichtig aus der heiklen Materie. Behutsamkeit ist angebracht, wo Menschen unterschiedlicher Lager um ethische Grundsätze ringen. Was wiegt schwerer: die Heilungschancen bislang unheilbar Kranker oder das Recht des Embryos auf Leben? Für beides lassen sich ethische Gründe anführen. Doch genau diese Debatte muss scharf geführt werden. Wenn die Heilungsaussicht Todkranker den Vorrang genießt, dann ist die Stammzellforschung völlig freizugeben. Wenn nicht, muss eindeutig klargestellt werden, dass Eizellen nicht zum Zwecke der Forschung befruchtet werden dürfen. Das war beim bisherigen Stichtag der Fall. Bei der jetzt vom Bundestag beschlossenen Verschiebung dieses Stichtags ist das nicht mehr so klar. Bleibt es wirklich bei der Einmaligkeit, dann gilt das Gleiche wie für den ersten Stichtag. Die Stammzell-Linien sind ja bereits da. Gleichzeitig birgt die erstmalige Verschiebung die Gefahr neuer Stichtage in sich. Das wäre gleichbedeutend mit einer völligen Freigabe. Der Damm des absoluten Embryonenschutzes in Deutschland wäre gebrochen.

Rheinische Post

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