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Ex-Metro-Boss Wiegandt fordert neues Wirtschaftsrecht

Der ehemalige Vorstandschef der Metro AG, Klaus Wiegandt, hat grundsätzliche Änderungen des deutschen Wirtschaftsrechts gefordert. „Im heutigen System hat ein Manager wenig Spielraum“, sagt Wiegandt im Interview in der neuesten Ausgabe des Greenpeace Magazins. „Seine gesetzliche Pflicht ist es, den ‚Shareholder Value‘ zu mehren – also den Nutzen des Anteilseigners.“ Tue er dies nicht und nehme Rücksicht auf andere Interessen, etwa soziale oder ökologische, dann „kann er auf der Hauptversammlung belangt und von seinen Aktionären verklagt werden“, kritisiert Wiegandt. „Diese Rahmenbedingungen müssen wir verändern!“

Der heute 69-jährige Wiegandt war viele Jahre lang einer der wichtigsten Handelsmanager Deutschlands. Er leitete den Kaufhauskonzern Asko und war ab 1996 Vorstandschef der neugegründeten Metro AG. 1998 schied er auf eigenen Wunsch aus und gründete aus seinem beträchtlichen Privatvermögen unter anderem die Stiftung „Forum für Verantwortung“.

In scharfen Worten beschreibt Wiegandt die Ursachen der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs „entgleiste der Kapitalismus“, so Wiegandt. „Er wurde zu einem reinen Spielcasino, das war am Ende Monte Carlo hoch fünf.“ Die Gewinner, kritisiert der Ex-Metro-Chef, „haben ihre Profite zum großen Teil in Steueroasen vereinnahmt – die Verluste werden sozialisiert. Die Allgemeinheit muss sie tragen, und das finde ich das Perfide daran.“

Über seine eigene Rolle als Spitzenmanager sagt Wiegandt im Rückblick: „Ja, ich war einer der Sünder und Verbrecher“, auch seine Entscheidungen hätten direkt der Umwelt geschadet. Im Greenpeace-Magazin erklärt er das Dilemma, vor dem Manager heute stehen: „Wenn ich Geld im Unternehmen für etwas ausgebe, das aus Sicht der Aktionäre nicht notwendig ist, ist das gewissermaßen ‚Veruntreuung‘.“ Würden Ziele wie das Gemeinwohl beispielsweise in das Aktiengesetz aufgenommen, „dann sähe die Welt anders aus“, so der Ex-Metro-Chef. Solche Gesetze müssten auf europäischer Ebene festgeschrieben werden – „denn an freiwillige Selbstverpflichtungen hält sich sowieso niemand“.

„Einen Konzern auf ökologischen Kurs zu bringen, ohne dass sich die Rahmenbedingungen ändern, das geht nicht“, erklärt Wiegandt. Ein Manager würde damit derzeit die Existenz seines Unternehmens „aufs Spiel setzen“. Bei Gewissenskonflikten „können sie nur die persönliche Konsequenz ziehen und sagen: Das mach ich nicht. Aber dann kommt ein anderer, und der machts an meiner Stelle.“

P2News

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