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Einstieg des Emirats Katar beim Baukonzern Hochtief

Das Emirat Katar ist eines der reichsten Länder der Welt. Der Golfstaat sitzt auf Erdöl und auf noch mehr Erdgas. Dieses Geld investiert Katar in Beteiligungen im Ausland, aber auch in die eigene Infrastruktur. Viele Milliarden Euro sind schon heute hierfür eingeplant. Eine neue Stadt mit dem Namen Lusail für 200000 Menschen wird zurzeit auf dem Reißbrett entworfen. Mehr als 3 Mrd. Euro soll zudem eine 40 Kilometer lange „Freundschaftsbrücke“ in den Nachbarstaat Bahrain kosten.

Den Bauboom wird auch die Fußballweltmeisterschaft 2022 noch zusätzlich anheizen, für die Katar in der vergangenen Woche überraschend den Zuschlag erhalten hatte. Der Chef des internationalen Fußballverbandes Fifa, Joseph Blatter, hat für die Verlegung des Großereignisses in die Wüste viel Prügel eingesteckt. Für den Baukonzern Hochtief kam diese Entscheidung aber gerade recht. Die WM-Vergabe hat den Scheichs den Einstieg beim befreundeten Baukonzern aus Deutschland – der unter anderem auch Know-how im Stadionbau hat – wohl noch leichter gemacht. Und dank Blatter und Co. hat Hochtief in der Auseinandersetzung mit ACS plötzlich einen neuen Pfeil im Köcher.

Natürlich wird ein neuer Großaktionär mit einer Beteiligung von gerade einmal 9,1% kaum ausreichen, um die Spanier unter der Kontrollschwelle von 30% zu halten. Dazu ist der Verwässerungseffekt durch die Kapitalerhöhung doch zu gering. Aber der Kursanstieg, den die Transaktion jetzt erst einmal mit sich gebracht hat, macht die ACS-Offerte an die übrigen Hochtief-Aktionäre noch unattraktiver. Und das Erreichen einer Mehrheit wird noch teurer werden.

ACS ist vom neuen Vorstoß von Hochtief überrascht worden. Das Schweigen in der Zentrale in Madrid sagt viel aus. Dabei bietet der Auftritt von Katar in dem Übernahmepoker durchaus Chancen. Das Emirat hat sich bereits öffentlich als „Mediator“ im Streit zwischen Hochtief und ACS angeboten. Und vielleicht wäre es ja schon ein Anfang, wenn sich alle Seiten einmal zu einem Gespräch über das Thema Shareholder Value treffen würden – vielleicht dort, wo in einigen Jahren die „Freundschaftsbrücke“ verlaufen wird. Das dürfte auch Fifa-Chef Blatter freuen, dem ja nachgesagt wird, sein Lebenstraum sei der Friedensnobelpreis. Einen kleinen Versöhnungsbeitrag dürfte er sich auch zuschreiben.

P2News/Börsen-Zeitung

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