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Eine neue Chance?

Ein Friedensabkommen in Nahost sei bis Ende 2008 machbar, verkündete George W. Bush gestern in Israel, und er werde dabei gerne helfen. Wunderbar, kann man da nur ausrufen. Doch Spaß beiseite, mit der Realität im Januar 2008 hat die Sache kaum etwas zu tun, und wenn nicht ein Wunder geschieht, auch nicht am Ende des Jahres. Denn für kein einziges Problem zwischen Israelis und Palästinensern liegen einvernehmliche Lösungen vor. Aber genau die braucht es, um voranzukommen. Israel will zwar Gebiete räumen, aber keineswegs alle und schon gar nicht die großen Trutzburgen der frommen jüdischen Siedler im Westjordanland. Zwar war Bush diesbezüglich erstaunlich deutlich, als er Israels Premier Olmert in aller Öffentlichkeit sagte, ein künftiger palästinensischer Staat könne nun mal nicht wie eine Schweizer Käse aussehen. Doch politische Folgen wird das kaum haben, denn Olmert steht einer Koalition vor, die nur deshalb zusammenhält, weil in Israel derzeit niemand stark genug ist, bei Wahlen eine brauchbare Mehrheit zusammen zu bekommen. Würde er auch nur den kleinen Finger rühren, um Bushs Hinweis in politisches Handeln umzusetzen, er wäre seinen Job sofort los. Ähnlich schwach ist sein Konterpart Mahmud Abbas, der sich nur mit Mühe der militanten Hamas erwehren und deshalb auch nur für einen kleinen Teil seines Volkes sprechen kann. Immerhin darf er für sich verbuchen, dass erstmals ein US-Präsident Palästinensergebiet betreten und dort einen eigenen Staat gefordert hat. Doch den Worten werden kaum Taten folgen, denn Amerika hat in der Region längst ganz andere Sorgen. Der Feind heißt Iran. Deshalb fliegt Bush heute weiter in die arabischen Staaten, um dort die Reihen gegen Teheran zu schließen. Es sieht ganz so aus, als ob der Nahe Osten zunehmend sich selbst überlassen bleibt, die Kontrahenten den Weg zu einem wie auch immer definierten Frieden allein finden müssen. – Aber vielleicht steckt ja genau darin eine ganz neue Chance.

Allgemeine Zeitung Mainz

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