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Effektiver Klimaschutz braucht den Naturschutz

„Gelder aus dem Emissionshandel auch für Klimaschutzmaßnahmen im Naturschutz verwenden“

Nach Ansicht der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Beate Jessel, ist ein effektiver Klimaschutz nur gemeinsam mit einem erfolgreichen Naturschutz möglich. „Ohne jeden Zweifel kann und muss eine weltweite nachhaltige Landnutzung einen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase leisten. Insbesondere zu nennen sind: ein Waldmanagement, das die Potentiale einer langfristigen CO2-Speicherung ausschöpft und Aufbau und Schutz von Naturwäldern fördert, ein konsequenter Moor- und Feuchtgebietsschutz sowie eine Landwirtschaft, bei der Erosion und Humusabbau vorgebeugt wird und der Boden ebenfalls seine Senkenfunktion wahrnehmen kann. Eine wesentliche Rolle spielt auch die Vermeidung von Landnutzungsänderungen, die den Ausstoß von Treibhausgasen befördern, wie dies etwa bei der Umwandlung von Grünland zu Acker der Fall ist“, erläuterte Beate Jessel zum Jahresende in Bonn. Gleichzeitig brauche auch die Natur einen wirksamen Klimaschutz, der die eintretenden Klimaänderungen und damit die zu erwartenden Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenarten auf ein möglichst niedriges Niveau beschränke, so die BfN-Präsidentin.

Selbst bei moderater Klimaänderung (ca. +2,2 °C bis 2080) werden sich für sehr viele Tier- und Pflanzenarten die Gebiete mit klimatisch geeigneten Bedingungen erheblich verschieben. Der Rückgang eines Teils der aktuell in Deutschland vorkommenden Arten und die Verbesserung der Bedingungen für andere Arten werden lokal zu deutlichen Veränderungen der Artenzusammensetzung führen. „Ein Management dieser Prozesse ist dringend erforderlich“, sagte die BfN-Präsidentin. Notwendig sei neben der Erhaltung hinreichend großer Schutzgebiete als Rückzugs-räume eine nachhaltige und naturschutzgerechte Landnutzung in der Fläche, um Tier- und Pflanzenarten die Anpassung oder ein Ausweichen vor den Folgen des Klimawandels zu ermöglichen. Große, intakte Populationen haben die besten Aussichten, sich anzupassen und zu überleben. „Die Folgen des Klimawandels machen nicht an Landes- oder Verwaltungsgrenzen halt. Für eine erfolgreiche Anpassung unserer Pflanzen und Tiere sind die bestehenden Schutzgebiete wie unsere Großschutzgebiete oder das Netz Natura 2000, ein grenzüberschreitender Biotopverbund sowie eine generelle Durchlässigkeit der Landschaft für Ausbreitungsbewegungen der Arten unabdingbare Voraussetzungen. Zu nennen ist weiterhin ein optimiertes Fließgewässermanagement, das die Auen als Verbundkorridore mit einschließt.“, so die BfN-Präsidentin.

Zur Finanzierung der klimarelevanten Naturschutzmaßnahmen müssen nach Ansicht des BfN verschiedene nationale wie internationale Instrumente und Finanztöpfe herangezogen werden: Notwendig sei eine deutliche weitere Aufstockung der zweiten Säule der EU-Agrarpolitik, aus der gezielt Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen gerade auch mit Blick auf den Klimaschutz gefördert werden können. „In dieser Hinsicht bleiben aber leider die kürzlich auf EU-Ebene im Rahmen des sog. Health Check in der Agrarpolitik erzielten Ergebnisse hinter den Erfordernissen zurück“, so die BfN-Präsidentin. Zu fordern sei weiterhin die Verwendung von Geldern aus dem Emissionshandel für zielgerichtete Naturschutzmaßnahmen zur Erhaltung von natürlichen CO2-Speichern. „Gewaltige Mengen Kohlenstoff sind in natürlichen Ökosystemen (z.B. Wälder und Moore) gespeichert. Jährlich werden global davon durch Nutzung und Umwandlung soviel freigesetzt, dass sie 20% der durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen entsprechen. Ein effizienter Klimaschutz erfordert zwingend, den Schutz und die Entwicklung dieser so klimarelevanten Naturbestandteile durch einen gezielten Einsatz von Mitteln aus dem Emissionshandel zu gewährleisten“, sagte Beate Jessel.

Die Dringlichkeit des Handelns zeige sich bereits in den dokumentierten Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt in Deutschland: In der Länge der Vegetationsperiode, der Verbreitung und Vermehrung bestimmter Arten sowie in der Struktur von Lebensgemeinschaften, so Jessel. Neben Veränderungen der Durchschnittswerte und des Jahresgangs von Temperatur und Niederschlag sei auch die Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen ein wichtiger Einflussfaktor in natürlichen Systemen, sagte Jessel.

„Zur Lösung vieler der angesprochenen Probleme sind wir in Deutschland mit der ehrgeizigen nationalen Strategie der Bundesregierung zur biologischen Vielfalt sehr gut aufgestellt. Jetzt ist eine konsequente Umsetzung erforderlich, um auch dem Klimawandel erfolgreich begegnen zu können“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

P2News

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