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Die Tötung Bin Ladens beschert der Welt nicht mehr Sicherheit

Die Reaktion auf die Todesnachricht zur Frühstückszeit dürfte bei den meisten Menschen nach einem ähnlichen Schema abgelaufen sein: Erst Erleichterung, dass der Top-Terrorist keine Bedrohung mehr darstellt, dann Nachdenken darüber, ob es richtig ist, einen anderen Menschen gezielt zu eliminieren, selbst wenn er eine derart widerliche Rolle wie Osama bin Laden ausfüllt. Und dann die Kernfrage: Ist jetzt die Welt ein wenig sicherer geworden? – Das Wort friedlicher wagt man in diesem Zusammenhang sowieso nicht zu gebrauchen. Fest steht: Die Terrororganisation Al Kaida hat ihren ehemaligen Kopf verloren, der mit den von ihm befohlenen Attacken die Welt verändert hat und mediale Wirkung clever ausspielte. Doch die Vermutung liegt nahe, dass Bin Laden – auch weil er sich stets verstecken musste – zwar bis zuletzt eine wichtige Symbolfigur war, aber nicht mehr der wahre Regisseur des Terrors. So gesehen dürfte sein Tod wenig ändern: Al Kaida operiert wohl schon seit Jahren mit unabhängigen Zellen, die notfalls ihr schmutziges Handwerk ohne Weisung einer Zentrale verrichten. Jetzt können sie sich sogar motiviert fühlen, an der gesamten westlichen Welt Rache zu üben und zu beweisen, dass Al Kaida auch ohne Chef funktioniert. Neue Anschläge sind wahrscheinlich. Das sind schlimme Aussichten, zumal die meisten die Bilder des 11. September 2001, als die Flugzeuge in die Hochhäuser flogen, noch nicht verarbeitet haben. Der islamistische Terror hat seitdem nicht nur direkte Opfer gefordert, sondern Milliarden Menschen ein Stück Unbekümmertheit und Lebensfreude geraubt. Er löste zudem eine weltweite wirtschaftliche Talfahrt aus, machte Millionen arbeitslos. Wird sich das alles wiederholen? Hoffentlich nicht. Denn mittelfristig könnte sich – nicht wegen, sondern trotz Bin Ladens Tod – die Lage entspannen. Unter anderem, weil die Gleichung Islam gleich Terror noch nie richtig war und sich auch bei radikalen Kräften Vernunft durchsetzen könnte. Vor allem aber, weil die Menschen der arabischen Welt in den vergangenen Wochen mit ihren Revolutionen eindrucksvoll gezeigt haben, dass sie ihre Probleme nicht zwingend mit Hilfe einer Terrororganisation lösen müssen. Sie können das auch friedlich.

P2News/Westdeutsche Zeitung

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