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Die Ausschreitungen in Griechenland – Kommentar

Die Situation in Griechenland erinnert ein wenig an die Ausschreitungen in Deutschland nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg 1967, ebenfalls von einer Polizeikugel getötet. Aus dem kleinen autonomen Brandherd Exarchia in Athen hat sich in kürzester Zeit ein Lauffeuer des Protestes entwickelt, der das ganze Land erfasst hat. Selbst in Berlin und London gibt es Störmanöver griechischer Demonstranten.

Die Schnelligkeit und Intensität der Protestwelle hat zwei Gründe. Erstens: Die tödlichen Polizeischüsse auf einen 15-Jährigen waren nur der Auslöser, der das Pulverfass explodieren ließ. Die Lunte der Unzufriedenheit brennt hingegen schon länger. Denn nicht nur die üblichen Krawallmacher machen hier ihrem Ärger Luft, sondern auch Schüler, Studenten, Linke, Oppositionelle und sozial Benachteiligte. Zweitens: Die autonomen Steinewerfer sind gut vernetzt und haben ihre gewalttätigen Aktionen sorgfältig geplant.

Beides stellt der Regierung von Ministerpräsident Kostas Karamanlis ein verheerendes Zeugnis aus. Fehler in der Gesundheits- und Sozialpolitik kritisieren die einen, eine zu laxe Haltung gegenüber den Autonomen im Stadtteil Exarchia die anderen. Nach einigen Korruptionsaffären steht der Premier ohnehin mit dem Rücken zur Wand, seine Partei Nea Dimokratia verfügt im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit. Karamanlis hat viel zu reparieren, wenn ihm die Zeit überhaupt dazu bleibt. Als Erstes muss er dafür sorgen, dass der Tod des 15-jährigen Schülers lückenlos aufgeklärt wird.

Neue Osnabrücker Zeitung

P2News

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