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Der Rauswurf von Elke Heindenreich

Elke Heidenreich ist bekannt für ihre schnelle und scharfe Zunge. Und gerade weil sie ebenso enthusiastisch wie subjektiv über Bücher urteilt, hatte das ZDF sie für die „Lesen!“-Sendung engagiert. Dieses TV-Forum hat die Moderatorin und Schriftstellerin nach ihrer zweistufigen Wut-Attacke verloren. Überdies fügt sie mit ihrem selbstverschuldeten Abgang dem von ihr vehement vertretenen Anliegen Schaden zu. Bereits ihr erster Ausbruch nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises war starker Tobak: „Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten.“ Doch konnte man ihn Heidenreich mit einigem Wohlwollen noch als spontane Empörung einer engagierten Kulturkritikerin und Reich-Ranicki-Freundin nachsehen. Nachdem sie aber auch noch das Paradepferd des Senders, Thomas Gottschalk, als müde Mähre bezeichnet hatte, kam das ZDF um den Rauswurf gar nicht mehr herum. Das mag sie ärgern, darf sie aber nicht wundern. Auch eine Frei- und Flinkdenkerin dürfte irgendwann in ihrem Leben mitbekommen haben: Kein Arbeitgeber will diejenigen, die mit dem dicken Knüppel auf ihn einschlagen, auch noch gut honorieren. Im Nachhinein bekommt ihr kesser Spruch „Von mir aus schmeißt mich jetzt raus“ ohnehin einen faden Beigeschmack. Denn offenbar hätte Heidenreich beim Fernsehpreis statt Gottschalk gern selbst die Laudatio auf Reich-Ranicki gehalten, ihr Vertrag mit dem ZDF wäre wohl zum Jahresende ausgelaufen. Hat sich hier also jemand aus gekränkter Eitelkeit einen Abgang mit Pauken und Trompeten verschafft? Doch lautes Lamento hin oder her: Das Fernsehen ist ja tatsächlich arm an Kultursendungen – und die wenigen mühen sich so furchtbar krampfhaft. Ob „Aspekte“ (ZDF), „Titel, Thesen, Temperamente“ oder „Druckfrisch“ (beide ARD): Sie taumeln zwischen Originalitäts-Bestreben und plappernder Selbstverliebtheit. Einen Lichtblick bietet immerhin die werktägliche „Kulturzeit“, aber die läuft auf 3Sat, was als Einschalthemmer gilt. Elke Heidenreich hatte gerade eine Diskussion angestoßen, die das Fernsehen mal über das alte Argument der Quotenzwänge hätte hinausführen können. Die hat sie nun selbst schon wieder abgewürgt.

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