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Das Wunder des 9. November ’89

Mehr noch als Kinder unserer Eltern sind wir Kinder unserer Zeit. Deshalb konnte Bismarck behaupten, dass die großen Fragen der Zeit durch Blut und Eisen, nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse entschieden würden. Am denkwürdigen 9. November 1989 wurde Bismarck aufs Schönste widerlegt. Manchmal macht „der alte Adam“ eben doch sichtbar Fortschritte. Mitten in Deutschland geschah Umwälzendes. Millionen von Unfreien wurden frei, ihre Unterdrücker verschwanden mitsamt dem System, dessen Existenz nirgends seit der Oktoberrevolution von 1917 demokratisch legitimiert worden war – ohne dass, wie bei Revolutionen üblich, Blut floss. Trotz aller gebotenen Vorsicht mit Superlativen: Es grenzte an ein Wunder, dass die Freiheit spektakulär siegte und der Frieden erhalten blieb. Es fiel die Mauer, es zerbarst der Eiserne Vorhang in Europa. Die DDR, für die man sich als Deutscher schämen musste, gab auf. Für die Befreiten stieg manches Risiko, weil das Gängelband fehlte, aber viel mehr stiegen Chancen für ein selbstbestimmtes Leben. Alle Wohlmeinenden freuen sich am Montag mit uns Deutschen, die Franzosen gar auf der Place de la Concorde in Paris und mit einer großen Freundschaftsgeste am Mittwoch. Wir sollten uns in unserer Freude von niemandem übertreffen lassen.

P2News/Rheinische Post

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