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Das (fast) vergessene Drama zwangsverheirateter Mädchen

Das Bild eines afghanischen Mädchens neben seinem sehr viel älteren “Besitzer”, Ende 2007 zum “Unicef-Foto des Jahres” gewählt, hat in Deutschland mediale Wogen erzeugt – in der neuesten Ausgabe von GEO kommt die Geschichte zu diesem Bild.

“Lieber den Tod als diesen Gemahl” titelte die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” über einem Essay des aus dem Iran stammenden Autors Ahmad Taheri, das besagtem Bild eines höchst ungleichen Paares aus Afghanistan beigestellt war, fotografiert von der Amerikanerin Stephanie Sinclair. Und auf “Spiegel.Online” kommentierte der niederländische Schriftsteller Leon de Winter das Foto als einen “nackten Blick auf die kollektive Vergangenheit der Menschheit”, auf “den Horror unserer brutalen Natur”, in der es “Liebe, Zärtlichkeit, Schönheit, Individualität und Respekt” eigentlich nicht gebe.

In der am heutigen Freitag erscheinenden Februar-Ausgabe von GEO sind nun weitere Bilder Sinclairs zu sehen – und sie zeigen, dass das Phänomen zwangsverheirateter Kinder keine exklusive Erscheinung der islamischen Welt ist. Im Auftrag des Reportage-Magazins recherchierten Sinclair und die GEO-Redakteurin Susanne Krieg auch im (christlich-koptischen) Äthiopien und im (hinduistischen) Nepal ein Schicksal, das nach Schätzungen der Frauenrechtsorganisation “International Center for Research of Women” (ICRW) weltweit rund 50 Millionen minderjährige Mädchen trifft: Sie werden, teils schon im Alter von acht Jahren, an Männer verheiratet, die ihre Väter oder Großväter sein könnten. Oder an Jugendliche, denen ebenfalls keine Wahl gelassen wird.

Die Ursachen dieser Praxis: bittere Armut. Und ein traditionelles Verständnis von der Rolle der Frau. So berichtet GEO von einem Fall, in dem ein Mädchen einem Mann versprochen wurde, weil der Vater Spielschulden bei diesem hatte.

Nach dem GEO-Bericht, belegt in Bildern und persönlichen Gesprächen, flieht vor allem in Äthiopien eine große Zahl zwangsverheirateter Mädchen vom Dorf in die Stadt – und dort in nichts anderes als die Prostitution.

Nach Angaben von GEO werden in Afghanistan schätzungsweise 57 Prozent aller Mädchen als Kind verheiratet, ebenso in Äthiopien, vermutlich über 60 Prozent sind es in Nepal. Damit geht einher, dass jeweils mehr als ein Drittel aller minderjährigen Mädchen in diesen Ländern nicht einmal eine Grundschule besuchen darf.

Pro Tag werden in den kommenden zehn Jahren weltweit voraussichtlich 25 000 Mädchen zwangsverheiratet. Ein Extrem ist dabei der indische Bundesstaat Rajasthan: Dort sind 15 Prozent aller Ehefrauen bei ihrer Hochzeit nicht einmal zehn Jahre alt, auch wenn die meisten Bräute “erst” nach Einsetzen der Menstruation zu ihren Männern ziehen.

Nach einer 1989 mit Ausnahme Somalias und der USA ratifizierten UN-Konvention werden Menschen unter 18 als Kinder definiert. Kinderehen sind auch in Ländern wie Afghanistan, Äthiopien und Nepal verboten; dem GEO-Team gelang der Zugang zu der weitgehend verheimlichten Praxis und der Kontakt zu den Opfern mit Hilfe örtlicher Initiativen.

Quelle: GEO Marktkommunikation

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