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Clement geht, oder die SPD jagt ihn davon

Mit Parteiaustritt droht man in der Politik nur einmal. Kurz vor Weihnachten zog Wolfgang Clement seine persönliche Schmerzgrenze noch zwischen der SPD, deren Vize er einmal war, und der Lafontaine-Linken. Am Wochenende verlegte Clement die Linie zwischen die Energiewirtschaft, für die er inzwischen Lobbyarbeit betreibt, und die Hessen-SPD, die im Wahlkampf gegen Atom- und Kohlestrom zu Felde zieht. Seine indirekte Aufforderung, am kommenden Sonntag nicht SPD zu wählen, kann am Ende nur eine Konsequenz haben: Clement geht, oder die SPD jagt ihn davon. Der Hessen-Wahlkampf wird wahrlich mit harten Bandagen ausgeboxt. Koch lässt Ypsilantis Mindestlohn-Angriff ins Leere gehen, verrennt sich aber mit seinen Attacken in Sachen Jugend- und Ausländer-Strafrecht derart, dass er Punkt für Punkt in der Wählergunst abgibt. Und dann kommt, plötzlich und unerwartet, zur vorentscheidenden Fernsehrunde ein Tiefschlag für die Herausforderin aus der eigenen Ecke. Man stelle sich vor, das wäre dem Ministerpräsidenten Clement widerfahren, als er 2000 um das höchste Amt in Nordrhein-Westfalen kämpfte! In der Sache hat Wolfgang Clement sicherlich Recht: Energie, wie sie die blauäugige Hessen-SPD ohne Atom- und ohne Kohlekraft erzeugen will, gibt es nur um einen hohen Preis. Wenn Clement das lediglich als RWE-Berater sagen würde, der dafür Honorar bezieht, wäre das seine Sache. Clement aber sagt das mit Kalkül als Polit-Promi, der noch als Sozialdemokrat wahrgenommen wird, obwohl die SPD längst nicht mehr seine Partei ist. Clement, der ewige Egomane. Welcher Teufel mag den nordrhein-westfälischen FDP-Fraktionsvorsitzenden Papke geritten haben, der nun Clement einlädt, zu den Liberalen überzulaufen? Die zu Clements Zeiten oppositionellen Freien Demokraten wissen doch allzu gut, was der Rau-Nachfolger und Steinbrück-Vorgänger an Rhein und Ruhr hinterlassen hat, als er 2002 dem Ruf Gerhard Schröders folgte, in Berlin Wirtschaftsminister zu werden. Leuchttürme hatte Clement errichten wollen. Am Ende waren es Millionengräber wie das Trickfilmstudio in Oberhausen und das High-Tech-Entwicklungszentrum an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Clement, der Herr der Irrlichter.

Westdeutsche Zeitung

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