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Bundespräsident Wulff im Abseits

Die schwarz-gelbe Regierung agiert immer noch hart am Rande des Abgrunds. FDP und CSU pöbeln sich weiterhin an („Wildsau“ gegen „Gurkentruppe“) wie Halbstarke. Noch gravierender ist, dass die Regierung mit ihrem Vorschlag für das Amt des Bundespräsidenten nicht durchdringt. Ministerpräsident Christian Wulff steht im Abseits. Kandidat der Herzen ist der von Rot-Grün erwählte Joachim Gauck. Für die veröffentlichte Meinung – vom Spiegel bis Bild – ist Gauck sowieso der Größte. Die Koalitionsspitzen beschleicht ein mulmiges Gefühl. CSU-Chef Horst Seehofer weist deshalb vorsorglich darauf hin, dass ein Scheitern von Christian Wulff das Ende der schwarz-gelben Regierung bedeuten würde. Dieselbe Losung macht auch in der FDP die Runde. Allerdings wollen die Liberalen ihren Einsatz für Wulff auch gewürdigt wissen: Es ist kein Zufall, das der nächste Versuch zur Schlichtung im Gesundheitsstreit für den 18.Juni terminiert ist: Rechtzeitig vor der Wahl des Bundespräsidenten. Es darf nicht verwundern, wenn die CSU dann plötzlich Gemeinsamkeiten mit der FDP entdeckte. Denn momentan sind es vor allem ostdeutsche Liberale, die offen mit einer Wahl Gaucks drohen. Der hat jedoch kaum Chancen Bundespräsident zu werden, denn Rot-Grün bringt es in der Bundesversammlung nur auf 460 Stimmen. Aber nur 24 Abweichler könnten schon dafür sorgen, dass Wulff die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang verfehlt. Das wäre für Schwarz-Gelb Blamage genug und würde den Eindruck eine Regierung ohne jede Fortune verstärken. Wulff wäre gut beraten, wenn er für sich und seine Vorstellungen vom Amt offensiv Werbung machte. Dass die Kanzlerin den Ministerpräsidenten gerade mal drei Minuten lang präsentierte, reicht absolut nicht aus. Dafür ist Gauck ein viel zu charismatischer Gegenspieler.

P2News/Neue Westfälische

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