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Ben’s Brother. Töne aus dem Mutterland der PopMusik

Man muss keinen Psychologen bemühen für die Erkenntnis, dass die Rangfolge unter Geschwistern einen immensen Effekt auf die Persönlichkeitsentwicklung hat. Die Gebrüder Gallagher haben ein Lied davon singen können, was es bedeutet, der Erstgeborene oder der Zweitgeborene zu sein. Ganz ähnlich verhält es sich mit Jamie Hartman, dem von der zarten Muse Pop geküssten Sänger, Songwriter und Begründer von Ben’s Brother, einer fünfköpfigen Band aus London, die mit den unter die Haut gehenden Songs ihres Debütalbums „Beta Male Fairytales“ unlängst ihren erfolgreichen Einstand in den Top 15 der UK-Charts gefeiert hat und die sicherlich auch in hiesigen Graden auf viel Zuspruch stoßen wird. Das liegt nicht nur an den dezidiert gefühlsbetonten Songs, sondern auch an der eindrucksvollen Stimme von Jamie Hartman, dessen fein angerautes Timbre nicht selten an den jungen Rod Stewart, in anderen Momenten gar an die Klasse eines Sam Cooke erinnert.

Jamie wuchs im Schatten seines älteren Bruders auf. „Ich habe mich immer wie das Beta-Männchen in unserer Familie gefühlt“, gesteht Jamie. „Die Rolle des Alphatiers ging definitiv an Ben.“ Während Jamie eigentlich schon frühes musikalisches Talent zeigte und bereits als Teenager erste Songs auf dem Klavier schrieb, machte vor allem zunächst Ben mit seinen sportlichen Bestleistungen Schlagzeilen im Kreis der Familie. „Mir war bald klar, dass ich mit meiner Musik auch das Gefühl greifbar machen wollte, wie es ist, nicht gleich im Mittelpunkt des Interesses zu stehen“, ergänzt Jamie. „Viele meiner Songs handeln vom Gleichmut im Angesicht tiefer Verunsicherung.“ Und auch die Erfahrung nicht erwiderter Liebe, die er im Alter von 16 Jahren mit einem Mädchen machte („Ich gestand ihr meine Liebe und sie drehte sich einfach um und ging weg.“) hat einiges zu seiner Künstlerpersönlichkeit beigetragen, die dem Verlierer in uns ebenso eine Stimme gibt wie diversen Verlustängsten.

Als Ben 1997 nach Südafrika ging, um dort Kricket zu unterrichten, nahm er eine CD mit Songs seines jüngeren Bruders mit. Er machte auch ein paar Kopien für Freunde, die von der angenehm süß raspelnden Stimme und den beseelten Melodien schnell angetan waren, aber lediglich wussten, dass es sich dabei um Bens Bruder handelte. Ben’s Brother – ein Name, der langsam die Runde machte. Als Jamie im Jahr 2000 mit einem von Bens Freunden aus Südafrika für eine Weile in den USA war, entdeckte er bei ihm eine CD mit seinen Songs, schlicht Ben’s Brother beschriftet. Jamie dachte bei sich: Die Band, von der ich schon immer geträumt habe, hat also schon einen Namen. Doch bis dahin sollten noch einige Jahre vergehen – Jahre, die er zum nicht geringen Teil auf der Portobello Road als Straßenmusiker verbrachte („Da habe ich manchmal in nur eineinhalb Stunden 70 £ eingenommen.“). Nachdem er sich eine Weile mit dem Schreiben von Werbejingles über Wasser gehalten hatte, wurde er als Songwriter entdeckt. Irgendwann tauchten Jamies Songs auf Alben anderer Popkünstlern auf, darunter mit Natalie Imbruglia und Will Young (dessen Top-Hit „All Time Love“ von 2005 auf sein Konto geht) erstklassige Adressaten.

Höchste Zeit, aus der zweiten Reihe ins vordere Glied zu rücken: 2006 hebt Jamie Hartman gemeinsam mit Kiris Houston an Gitarre und Keyboards, Dan McKinna am Bass, Dave Hattee am Schlagzeug und Morgan Quaintance als Leadgitarristen seine Band aus der Taufe. Ben’s Brother klingen wirklich, als wollten sie Jamies Erwachsenwerden vertonen. „Ich konnte die Musik, von der ich zu dieser Zeit umgeben war, nicht mehr ausstehen. Das klang mir alles zu glatt und witzlos.“ Auf der Suche nach Inspirationsquellen war Jamie auch in der Plattensammlung des großen Bruders fündig geworden, dessen alte Stones-Scheiben ihn ebenso anlockten wie alte Aufnahmen des jungen Rod Stewart. „Ich habe kein Problem mit Rod. Er hat nicht nur eine großartige Stimme, sondern auch noch immer sein volles Haar.“ Aber der Sänger, der ihn am meisten beeindruckte, war selbst eines der großen Idole von Rod Stewart. Die Rede ist von der Soullegende Sam Cooke. Ihn hörte Jamie das erste Mal 1996, als Cookes Klassiker „Wonderful World“ in einem Levi’s Spot zu hören war. „Niemand kann dir mit seiner Stimme die Nackenhaare so aufstellen wie Sam das konnte.“ Soullegenden in allen Ehren, muss sich Jamie Hartman mit seiner Stimme hinter niemandem verstecken. Die emotionale Bandbreite seiner so wunderbar köchelnden Stimme ist enorm und allen möglichen Affinitäten zum Trotz ist sein sanft flehentlicher Tonfall im Begriff zum unverwechselbaren Markenzeichen zu werden.

Die Songs, die Ben’s Brother auf „Beta Male Fairytales“ gepackt haben, darf man mit Fug und Recht als Offenbarung bezeichnen. Es sind geradezu klassische Popballaden, entstanden nach jener traditionellen Rezeptur, die auf Anhieb ein vertrautes Wohlgefühl auslöst. Man darf da durchaus von den Beatles über Elton John bis Travis einen roten Faden durch die Popgeschichte spinnen. Auch Jamie Hartmann schreibt Songs von so geradlinig schnörkelloser Schönheit, als wären sie reife Früchte – so süß und verführerisch, dass man beim Verzehr vor Genuss die Augen schließt. Der Sänger, der in jungen Jahren Philosophie und Englisch studiert hat, schreibt Songs wie feinfaserige Gewächse, psychologisch komplex, doch in ihrer Wirkung denkbar direkt. Songs wie das soulbeseelte „Beauty Queen“, die schmerzlich schöne Ballade „I Am Who I Am“, mustergültige Sehnsuchtshymnen wie „Find Me An Angel“, schimmernde Perlen wie das ein wenig an Radiohead erinnernde „Carry On“ oder die gloriosen Singles „Rise“ und „Let Me Out“ – das sind alles delikate Kompositionen voller Zärtlichkeit, die nicht selten melancholisch klingen, aber nie in Selbstmitleid ertrinken. Es sind Songs, in denen sich viel Lebenserfahrung widerspiegelt und die Mut machen. „Die meisten meiner Songs beginnen mit einem Gefühl der leichten Kümmernis, werden aber am Ende doch immer hoffnungsvoller“, findet Jamie Hartmann.

Letztendlich haben es beide Brüder gut angetroffen und sind ihren Weg gegangen. Ben hat nach seiner Zeit als erfolgreicher Kricketspieler eine noch erfolgreichere Karriere in der Werbebranche begonnen, in der er etwa eine aufsehenerregende Kampagne für Virgin Train konzipierte. Jamie hat unterdessen ganz schön aufgeholt und kann sich in diesen Tagen nicht nur spielend leicht mit seinem Bruder messen, in punkto öffentliche Bekanntheit hat er ihn sogar überflügelt. Weniger als ein Jahr nach ihrer Gründung haben Ben’s Brother bei jenem Erfolgslabel einen Heimathafen gefunden, bei dem auch Multiplatinkünstlerinnen wie Joss Stone und KT Tunstall angedockt sind. Bei Relentless Records standen die Songs von Ben’s Brother sofort so hoch im Kurs, dass man dort ganz gewiss war, ein neues Flaggschiff gewonnen zu haben. Mit „Beta Male Fairytales“ haben die fünf Musiker den klingenden Beweis angebracht, dass sie alle Segel für eine der eindrucksvollsten musikalischen Jungfernfahrten gesetzt haben. Vom Mutterland der Popmusik geht es nun mit voller Fahrt in internationale Gewässer.

Selbstverständlich könnt ihr einen Song aus dem Album Beta Male Fairytales probehören.
Viel Spass mit:

“Rise”  “Rise”

Eure Musikredaktion

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