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Bahn-Unpünktlichkeit

Nicht repräsentativ – kann das wirklich alles sein, was der Bahn zu der Untersuchung der Stiftung Warentest in puncto Unpünktlichkeit einfällt? Vielleicht sollte man lieber mal die eigenen Kunden fragen – da käme heraus, dass sich deren Erfahrungen eher mit den Ergebnissen der Verbraucherschützer decken als mit den Pünktlichkeitsbeteuerungen der Bahn. Dabei gibt es durchaus akzeptable Erklärungen, mit denen sich auch gegenüber dem zornigsten Bahnbenutzer um Verständnis werben ließe: Technische Defekte lassen sich nie ganz vermeiden. Ebenso wenig wie das auf den Gleisen stehende Pferd, das den Lokführer zum Halten zwingt. Oder die Fälle von Lebensmüden, die in Lautsprecherdurchsagen mit “Personenschäden” umschrieben werden. Und es gibt die bei Fernzügen bereits aus dem Ausland importierte Verspätung. Auch sollte sich jeder Fahrgast, der den Anschlusszug verpasst, weil dieser nicht ein paar Minuten wartet, vor Augen halten: Dieses Warten würde eine Kettenreaktion in Gang setzen, in deren Verlauf sich die Verspätungen an anderer Stelle fortpflanzen. Die Bahn hat wahrlich schon genug Imageprobleme – nicht zuletzt wegen ihres unpopulären Chefs. Statt kleinmütig einen in seiner Seriosität kaum bezweifelbaren Test zu attackieren, sollte sie die Ergebnisse lieber ernst nehmen und die Bemühungen um Pünktlichkeit verstärken. Vielleicht ist ein Teil des Problems ja durchaus hausgemacht und reparabel: der zu eng gestrickte Fahrplan. Zu groß scheint die Verlockung, mit dichter Zugfolge und zu knapp bemessenen Bahnhofsstopps sich selbst und dem Kunden etwas vorzugaukeln. Mit großzügigeren Zeitpuffern, die das Aufholen von Verspätungen erlauben, wäre allen Beteiligten mehr gedient. Trotz aller Mängel braucht die Bahn den Vergleich zu ihrem Konkurrenten Auto nicht zu scheuen. Nicht in punkto Umwelt und auch nicht in punkto Pünktlichkeit: Welcher Autofahrer, der um 14:12 Uhr in Düsseldorf abfährt, würde sich auf die Ankunftszeit 15:27 Uhr in Münster festlegen? Die Bahn tut dies und wird auf eben diesem Versprechen gnadenlos festgenagelt. Dabei weiß jeder, der die täglichen Staumeldungen im Radio verfolgt, dass auf unseren Autobahnen weit mehr Zeit vergeudet wird als auf der Schiene.

Quelle: Westdeutsche Zeitung

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