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Aygül Özkan als Ministerin vereidigt

Aygül Özkan

Als Joschka Fischer – stilbewusst in Turnschuhen – seinen Amtseid als erster Minister einer rot-grünen Landesregierung ablegte, markierte das durchaus eine politische Zäsur. Hier war über den Umweg der Umweltbewegung eine sich in ihrem Selbstverständnis von der Mehrheitsgesellschaft politisch wie kulturell abgrenzende Minderheit endgültig im regulären Politikbetrieb angekommen, die ihm bislang fremd, ja grundsätzlich ablehnend gegenüberstand. Was umgekehrt durchaus auch für die von diesem Politikbetrieb repräsentierte Mehrheitsgesellschaft zutraf. Die Vereidigung von Aygül Özkan stellt hoffentlich eine ähnliche Zäsur im Blick auf die Integration von deutschen Bürgern mit Migrationshintergrund dar. Natürlich hinkt der Vergleich, schon wegen der Tatsache, dass Özkan den Marsch durch die Institutionen gleich im existierenden Parteiestablishment selbst begann – und dort ihre Berufung in eine herausgehobene Position jetzt als Profilierungs-Chance begriffen wurde, nicht als zähneknirschend zu akzeptierender Kompromiss im Machtspiel. Vergessen wir den kleinlichen Streit um die Schulkreuze, in dem die designierte und im Medienumgang wohl noch etwas naive Ministerin nichts anderes vertrat als das Bundesverfassungsgericht schon 1995 rechtsverbindlich festgestellt hat – übrigens auch für die Kreuzritter aus Bayern und alle anderen selbst ernannten Retter des christlichen Abendlands. Dass eine Muslima mit türkischen Wurzeln in Deutschland, in der CDU, politische Karriere machen kann, ist ein Zeichen des Fortschritts auf beiden Seiten – der Mehrheits- wie der Minderheitsgesellschaft mit, in diesem Fall, Migrationshintergrund. Zu wünschen ist, dass dieses Zeichen sowohl in die Mehrheitsgesellschaft, vor allem aber auch in die Parallelgesellschaften wirkt; auf beiden Seiten als Ermunterung wie Mahnung gleichermaßen. Denn noch sind zu viele nicht angekommen.

P2News/Mindener Tageblatt

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